Ein freundliches Wort macht glücklich! Das wusste schon Martin Luther, und der Mann konnte nicht ahnen, wie viel Freundlichkeit modernen Konsumenten begegnet. Nein, damit ist nicht die penetrant-dämliche Schleimerei etlicher Starbucks-Milchkaffeezapfer gemeint. Freundlich sind heute die Produkte selbst. Vor allem zur Umwelt. Steht sogar drauf: auf zahlreichen Waschmitteln, Wandfarben, manchen Autos und vielen Dingen mehr. Alles umweltfreundlich. Man ist glücklich.

Dabei ist Umweltfreundlichkeit ein wunderbares Beispiel für die Manipulationskraft von Sprache. Einmal ins Bewusstsein eingesickerte Begriffe lähmen die Kritikfähigkeit; man würde nie auf die Idee kommen, Umweltfreundlichkeit als etwas Schlechtes zu betrachten. Was es oft aber ist. Denn wer stets darauf achtet, die umweltfreundliche Variante eines Produkts zu kaufen, vermeidet unangenehmes Nachdenken. Er fragt nicht: Brauche ich überhaupt einen Weichspüler? Sondern: Welchen Weichspüler brauche ich? Dass man einen braucht, wird stillschweigend vorausgesetzt. Sehr zur Freude der Hersteller übrigens.

Umweltfreundlich zu sein bedeutet nämlich nicht, der Umwelt etwas Gutes zu tun. Es heißt bloß, sie durch ein bestimmtes Produkt etwas weniger zu schädigen als mit einem anderen. In der Logik der Umweltfreundlichkeitslobby wäre es menschenfreundlich, einem anderen bloß die Hand abzuhacken, statt ihn gleich umzubringen. Ich finde das nicht freundlich, aber vielleicht sind meine Maßstäbe auch falsch.

Man muss deswegen nicht zum Konsumverweigerer werden. Aber vielleicht sollte man im Laden kurz innehalten. Würde man WC-Duftsteine und ähnlichen Krempel auch kaufen, wenn statt "umweltfreundlich" die Worte "etwas weniger umweltschädlich" auf der Packung stünden?