Vielleicht war es gekränkter Lokalstolz, der den Berner Volkswirtschaftsdirektor reizte, immerhin trug die Bank einst das Wort "Bern" im Namen. Vielleicht aber trieb Andreas Rickenbacher tatsächlich die Sorge um Land und Kanton, als er zu Beginn dieser Woche dem Blick klagte: "Das Ausland kauft uns munter Anteile der besten Schweizer Firmen weg."

Im Juni wurde bekannt, dass sich der norwegische Staatsfonds in die Valiant Bank eingekauft hatte, die Ende der neunziger Jahre aus der Fusion von drei Regionalbanken entstanden war. Das erzürnte den Berner Politiker – ist es doch nur ein Beispiel unter vielen, bei dem fremdes Kapital in die Schweiz fließt. Die Credit Suisse verkaufte im letzten Herbst ihren Bürokomplex am Fuße des Üetlibergs für eine Milliarde Franken – ebenfalls an den norwegischen Staatsfonds. Der Medizinaltechnikkonzern Synthes wurde Ende 2012 vom US-Riesen Johnson & Johnson einverleibt. China Haidian, ein Unternehmen aus Hongkong, übernahm im April den Uhrenhersteller Corum aus Neuenburg; die bekannte Marke Eterna besitzen die Asiaten bereits. "Und was machen wir?", fragt der Berner Volkswirtschaftsdirektor rhetorisch: "Nichts, wir schauen tatenlos zu!"

Ist von ausländischen Engagements bei Schweizer Unternehmen die Rede, schwingt immer Besorgnis mit. Mal sind die Fremden gerissene Spione, die nur am Know-how interessiert sind, das sie in die Heimat abzügeln, um dort besser und billiger zu produzieren. Mal erscheinen sie als Raubritter, die einheimische Firmenkulturen zertrümmern. Selbst wenn ein Unternehmen dringend auf neues Kapital angewiesen ist – die Credit Suisse brauchte die norwegische Staatsmilliarde –, um die erhöhten Anforderungen der eidgenössischen Bankenregulierung zu erfüllen, selbst dann ist es dem Schweizer "gschmuch". Und er schreit: Ausverkauf!

Verwundert rieb man sich deshalb die Augen, als selbentags dasselbe Boulevardblatt titelte: Die Russen kommen. Sauber ist gerettet! Der Formel-1-Rennstall aus dem Zürcher Oberland steckt in Geldnöten. Fieberhaft suchte Firmengründer Peter Sauber nach Sponsoren – und er fand sie in Russland. Zwar kennt hierzulande kaum jemand den Investment Cooperation International Fonds, den Staatlichen Fonds zur Entwicklung der Nord-Westlichen Russischen Föderation und das Nationale Institut für Luftfahrt und Technologie, die einen direkten Draht zum russischen Präsidenten Putin haben sollen. Doch selbst die NZZ jubelte über die "hohe Kreativität bei der Suche nach Geldgebern". Und Bundespräsident Ueli Maurer ließ ausrichten: "Das freut mich sehr."

Vom Ausverkauf aber sprach niemand. Hauptsache: Der Rubel rollt. Und die Spiele gehen weiter.