Beim Match Deep Fritz gegen Kramnik 2006 in der Bonner Bundeskunsthalle hatte der damalige Weltmeister in der zweiten Partie seinen "Gewinnzug" eingehend geprüft und keine Verteidigung mehr für das Computerprogramm gesehen. Die Varianten waren alle stichhaltig, nur hatte er leider ein einzügiges Matt übersehen. Ein unglaublicher Bock, wir Livekommentatoren wunderten uns schon, warum er so lange überlegte und nicht den offensichtlichen, zum Remis führenden Zug machte. Im Buch Invisible Chess Moves mit dem Untertitel Discover Your Blind Spots and Stop Overlooking Simple Wins zeigen die Autoren, wie solch "unerklärliche" Blackouts wie im obigen Beispiel vorkommen können, bei dem Kramnik die ganze Partie über die Initiative gehabt hatte und Fritz erstmals "zaghaft" ein wenig drohte.

In diesem unterhaltsamen Buch mit vielen Beispielen "blinder Flecken" ist auch die Partie Alexei Schirow gegen Wladimir Kramnik beschrieben (Groningen 1993). Kramnik als Schwarzer war angesichts der furchtbaren Mattdrohung 1.Th3+ froh, mit 1...Txg7 2.Txg7+ Kh6 3.Tg8 Kh7 4.Tg8-g7+ ins Remis einzulenken.

Doch mit welchem Zug hätte er sogar spektakulär gewinnen können?

Übrigens wird beim Sparkassen Chess Meeting (26. Juli bis 4. August) in Dortmund der zehnfache Turniersieger Kramnik versuchen, solche Reinfälle tunlichst zu vermeiden, meistens gelingt es ihm ja.

Lösung aus Nr. 29:

Wie ebnete sich Weiß gewaltsam unter Opfern den Weg zum schwarzen König, sodass die schwarze Dame als Beute abfiel? Auftakt war das Springeropfer 1.Sce6+! fxe6 , gefolgt vom Turmopfer 2.Tc7+! . Nach dem nötigen 2...Dxc7 – bei 2...Kg8 3.Da7! hätte allerorten Matt gedroht – eroberte 3.Sxe6+ siegreich die Dame