Der verlorene Sohn ist da gelandet, wo fast alle hinwollen: in einer Villa in Berlin Lichterfelde-West, wo man seine Äpfel bei Biolüske kauft, seinen BMW vor der eigenen Villeneinfahrt parken kann, am Samstag Party macht mit dem Parlamentskreis Mittelstand von der CDU/CSU und am Sonntag seine Hecken schneidet.

Bushido hat mit Anfang 30 schon alles hinter sich. Er ist der arrivierte Porno-Rapper, der singt "halt den mund und hör zu/dein silicon gehört mir und meiner crew/nur weil ich rap bin bläst du meinen schwanz/doch wieso weil du ohne mich nichts kannst". Er ist der Schnulzenheini, der darüber jammert, dass "isch keinen Vater mehr habe" und die Jugendlichen von heute "nisch mehr ordentlisch bitte und danke sagen können". Er hat von Burda den Integrations-Bambi bekommen und lag in den Armen von Rainer Brüderle. Sein Leben ist verfilmt worden, und seine Memoiren sind auch schon wieder Papier von gestern. Hätte er nicht ein paar Freunde, die hin und wieder Journalisten bedrohen, den Berliner Straßenstrich betreuen und mit ihren Limousinen auf Berlins Behindertenparkplätzen renommieren, drohte sein junges Leben seine letzten Runden im Leerlauf einer frühen Verborisbeckerisierung zu drehen.

Es musste etwas passieren. Im September ist ein neues Buch angekündigt, Auch wir sind Deutschland, die Vorverkäufe für die Herbsttournee laufen angeblich schwach an. Mit dem inzwischen aus dem Verkehr gezogenen Hass-Video Stress ohne Grund, in dem Bushido jetzt auf YouTube Politiker bedroht und beleidigt ("Du wirst in den Arsch gefickt wie Klaus Wowereit"), bringt sich der Lichterfelder Familienvater aus dem Reichenghetto wieder ins harte Kerngeschäft zurück. Die Fans jubeln über die "krasse Promowelle", auf der der Rapper aus der Bambi-Komfortzone wieder in die Charts surfen möchte. Bushido gibt zu Protokoll, er finde die gerappten Morddrohungen und Verhöhnungen "aus Geschäftsmannperspektive super".

Der Geschäftsmann, der vom CDU-Gekuschel über das Immobilieninvestment und die Mafiakontakte bis zum Frauen- und Schwulenhass alles herstellt und vertreibt, was sich verkaufen lässt, hat sich aus den Erlösen seiner Tätigkeit gerade die nächste tolle Villa in Kleinmachnow gekauft, wo er bis zur nächsten Promowelle chillen darf. Aus der endlosen Partymeile der einträglichen Simulationen wird ihn vielleicht die Justiz erlösen. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hat am vergangenen Montag Strafanzeige erstattet.