Auch wenn die Schlagzeilen jetzt aus anderen Ländern kommen: Die Verhafteten, die gegen die Selbstherrlichkeit des türkischen Ministerpräsidenten Erdoğan demonstriert hatten, sollen nicht vergessen werden. Diesmal stellen wir Yoldaş Aydn vor, der nach Angaben seines Vaters am 18. Juni in der Wohnung eines Freundes festgenommen wurde. Yoldaş Aydn studiert an der hoch angesehenen Technischen Universität des Nahen Ostens (ODTÜ) in Ankara im zweiten Semester Physik. Die ODTÜ ist seit Jahren Schauplatz von Kundgebungen gegen die Regierung.

Vor zwei Monaten seien dem 23-jährigen Studenten, der Mitglied in einer legalen sozialistischen Jugendorganisation ist, Zivilbeamte aufgefallen, die ihn beobachteten, sagt sein Vater Feti Aydn. Die Familie habe deswegen Strafanzeige erstattet.

Der Vorwurf gegen seinen Sohn laute jetzt, so Feti Aydn, dass er während einer Demonstration in Ankara dazu aufgerufen habe, die türkische Flagge zu verbrennen. Auf einem Foto sei zu sehen, wie er mit erhobenen Händen eine Menge dazu aufstachele. Yoldaş Aydn selbst sagt, er habe die Mitdemonstranten gerade davon abhalten wollen, die Flagge anzuzünden. Ja, er habe sogar geschrien, dass sie aufhören sollen.

Feti Aydn gibt an, sein Sohn habe blaue Flecken im Gesicht gehabt, als er ihn zum ersten Mal im Sincan-Gefängnis in Ankara besuchte. Die Ermittler hätten immer wieder von ihrem Gefangenen verlangt, Auftraggeber zu nennen.

Schon er selbst, berichtet der Vater, sei wegen seiner Überzeugungen eingesperrt worden. Das sei nach dem Putsch 1980 gewesen; die Militärs unterdrückten damals kurdische und linke Organisationen. Er sei erst nach drei Jahren wieder freigekommen.