Die Milch für den Edamer liefern Bauern aus einem Umkreis von 200 Kilometern um Bayreuth. Zwei davon lassen sich identifizieren: Horst Schilling aus Eckersdorf und Hermann Rank aus Gefrees. Ihre Kühe haben die Milch für den Pizzakäse gegeben – Zutaten aus der Provinz für ein globales Produkt.

Und dann kommt die Salami. Meterware wird gebraucht, statt von Durchmessern spricht man von Kalibern. Und von Magazinen, in denen die Würste hochkant über der Fertigungsstraße stecken. Von unten trennen Klingen Scheiben in genormter Dicke ab. Ihre Fallhöhe und -dauer ist so berechnet, dass das unter ihnen durchsausende Fließband nicht bremsen muss und die Wurst trotzdem genau auf der Pizza landet. So wackeln die Würste vor sich hin, rutschen millimeterweise nach unten, bevor das Magazin leer ist und nachgeladen werden muss.

Die fertigen Pizzen durchlaufen schließlich einen doppelgaragengroßen Steinbackofen und einen Schockfroster, bevor sie von Robotern in einer beeindruckenden Geschwindigkeit in Kartons gepackt werden. Dann muss man bloß noch die Kühlkette beim Transport aufrechterhalten. Eigentlich alles ganz einfach.

Trotzdem wird es noch einmal kompliziert. Die Salami kauft Wagner bei Haas. Das ist ein Wurstproduzent, dessen Fabrik auch in Nonnweiler steht, gleich nebenan auf der anderen Straßenseite. Die beiden Unternehmen sind über die Jahre miteinander gewachsen: Der eine brauchte mehr Würste, der andere lieferte sie. So war das.

Von Wagner ist zunächst nur zu erfahren, dass die Salami aus Schweinefleisch, Speck, Salz, Natriumnitrat und einigen weiteren Zutaten besteht. Die Angaben bleiben vage. Aus Europa und den USA komme Maltodextrin, Gewürze kämen aus Deutschland, Thailand und China. Von dort beziehe man auch Ascorbinsäure, mit der unerwünschte chemische Reaktionen unterdrückt werden. Die Quellen der Hauptzutaten Speck und Schweinefleisch aber unterlägen dem "Know-how-Schutz", sagt Wagner. Ausgerechnet beim Fleisch, dem wohl heikelsten Bestandteil aller Lebensmittel, scheint die Transparenz zu enden. Mehr könne man nicht verraten, außer dass die Lieferanten aus Deutschland, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Dänemark kämen. Was nicht viel bedeuten muss: Vielleicht wurden die Tiere dort bloß geschlachtet, und ihr Stall stand ganz woanders. In der Nähe. Oder in einem fernen Land. Wer weiß das schon?

Wagner weiß es natürlich, schließlich ist das Unternehmen gesetzlich verpflichtet, seine Warenströme zu dokumentieren. Und am Ende erlaubt man den Wurstwerken Haas doch, mehr zu verraten.

So lässt sich auch diese Zutat zurückverfolgen. Haas produzierte die Salami aus Schweinehälften, die bei der Firma Vital-Fleisch in Speyer zerlegt wurden. Der dortige Geschäftsführer kennt wiederum die vorherigen Stationen, denn auch Vital-Fleisch hat die Tiere nicht geschlachtet. So führt die Suche schließlich zu Tummel. Die Firma betreibt eine großindustrielle Schlachtanlage in Schöppingen im westlichen Münsterland und kann nach eigenen Angaben bis zu 30.000 Schweine pro Woche töten. Tummel lieferte an Vital-Fleisch genau zwei Ladungen, die für die Recherche relevant sind: 753 Schweine am 5. Februar und weitere 486 Schweine zwei Tage später. Anhand spezieller Codenummern lassen sich die Heimatställe der Schweine ermitteln. Sie befinden sich in den Landkreisen Nordhorn, Emsland, Steinfurt, Borken, Coesfeld und Kleve.

Bei anderen Pizzen kann das ganz anders sein. Wagner nennt ausdrücklich auch andere Länder als Quellen seines Fleisches. Im Fall dieser einen, zufällig ausgewählten Pizza Nummer L30827017F10647 war die Salami mal ein Schwein aus dem Münsterland. Konventionell gehalten.

Die Salami wurde übrigens in echtem Buchenholzrauch geräuchert – und nicht etwa mit Flüssigrauch besprüht, was in der Lebensmittelbranche aus Kostengründen auch gern getan und meist verschwiegen wird. Die Buchen, die dafür gefällt und in einem Sägewerk auf das klassische Salamifabrikmaß von 80 mal 80 mal 1.000 Millimetern zurechtgeschnitten wurden, wuchsen im Westerwald und im Ostalbkreis. Falls mal jemand ganz genau wissen möchte, was er da eigentlich in seinen Backofen schiebt.

An dieser Stelle stößt die Spurensuche der Pizza-Zutaten dann aber doch an Grenzen. So sagt die Recherche nichts aus über die Bedingungen, unter denen die Schweine gemästet und geschlachtet wurden. Zu den Arbeitsbedingungen in den Verarbeitungsbetrieben ist keine Auskunft möglich. Auch nicht darüber, ob der Getreidebauer möglicherweise verbotene Pestizide auf seinen Weizen gesprüht oder der Tomatenlieferant in Italien illegale Einwanderer als Erntehelfer beschäftigt hat. Solche Fragen sind wichtig im Zusammenhang mit Lebensmitteln, bei dieser Suche waren sie aber ausdrücklich kein Bestandteil. Ebenso hätte man der Frage nachgehen können, ob ein Produkt mit rund 800 Kalorien ernsthaft als Teil einer gesunden Ernährung bezeichnet werden kann.

Eines belegt die Recherche allerdings: Man kann sehr viel über Lebensmittel herausfinden, wenn man es will und die entsprechenden Codenummern kennt. Transparenz und Rückverfolgbarkeit sind möglich, dank moderner Informationstechnik bis in den letzten Winkel der Erde. Wer sagt, er wisse etwas nicht, der lügt, ist schlecht organisiert oder kriminell.