Wenn Blut auf Textilien gerät, dann lautet die oberste Regel: Je früher man den Fleck auswäscht, umso besser. Solange das Blut noch flüssig ist, sind alle seine Inhaltsstoffe in Wasser gelöst, und das rote Hämoglobin ist in den roten Blutzellen eingeschlossen. Es kann mit kaltem Wasser fast rückstandsfrei herausgewaschen werden. Es ist auch eine gute Idee, das Kleidungsstück schnell in ein Wasserbad zu legen, falls man den Fleck nicht gleich entfernen kann.

Mit jeder Sekunde, die das Blut der Luft ausgesetzt ist, setzt sich der Fleck weiter im Gewebe fest. Das liegt daran, dass das Blut nicht einfach "trocknet", also das enthaltene Wasser verdunstet. Es beginnt der Prozess der Blutgerinnung. Das ist ein komplexer Vorgang, bei dem die sogenannten Gerinnungsfaktoren ihre Struktur verändern. Diese Eiweiße vernetzen sich und bilden Klumpen, die im Gewebe festkleben. Das Blut verliert seine Wasserlöslichkeit. Das ist eine gute Sache, wenn es darum geht, eine Wunde zu verschließen, aber es macht die Entfernung des Flecks erheblich schwieriger.

Ist der Blutfleck trocken, reicht Wasser meist nicht mehr zu seiner Entfernung aus. Waschmittel enthalten Enzyme, die wie kleine Scheren die verknäuelten Proteine in kleine Schnipsel zerschneiden, die sich dann leichter aus dem Gewebe entfernen lassen.

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Auch dieser Prozess funktioniert in einer kalten Waschlösung besser. Denn im Blut sind noch weitere Proteine enthalten, die unter der Einwirkung von Hitze denaturieren. Das ist eine Form von Gerinnung, bei der sich die dreidimensionale Struktur der Eiweiße verändert und sie fest an den Stofffasern haften. Kaltes Wasser ist nicht nur für Blut angesagt, sondern für alle Flecken, die aus frischen, noch nicht denaturierten Eiweißverbindungen bestehen, zum Beispiel auch für Eigelb.

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