Wir wollen kein Auto, das groß ist oder ökologisch. Funktional oder komfortabel. Schnell fährt oder die Welt rettet. Wir wollen alles zugleich. Denn wir müssen einen Familienbesuchsmarathon absolvieren, quer durch München, von Nord nach Süd, und am Schluss zu siebt in einem Auto. Klingt illegal? Wir werden sehen.

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Aufsehen erregen wir schon vor dem Aumeister-Biergarten am Ende des Englischen Gartens. Wegen der markanten Optik des Prius+. Und weil die Automatikschaltung hakelt. Während ich noch unter Gehupe versuche, den Rückwärtsgang zu finden, schaukelt die Tochter schon auf dem großen Spielplatz. Als es weitergeht, kommt ihre Freundin mit. Erkenntnis der Mädchen: Die Türfächer sind riesig, und die Getränkehalter halten gut! Wir fahren stadteinwärts, die Isar entlang. Im unbarmherzigen Münchner Berufsverkehr zieht der Prius+ mit der doppelten Kraft von Benzin- und Elektromotor gut mit; lahmer und lauter wird er erst auf der Autobahn werden. Auf Höhe Museumsinsel steigt der erste Opa zu. Und bemerkt, dass diese Ökoschüssel ja schon serienmäßig Türöffnen per Handauflegen hat, Klimaautomatik, Multimedia-System mit Touchscreen. Ob das nicht Sprit frisst? Wir werden sehen, sagen wir, und gleich werden wir noch den anderen Opa samt Oma aufnehmen. Unmöglich, ruft der Opa, wir sind schon fünf, wie soll das gehen? Wir haben noch eine geheime Rückbank im Kofferraum, juchzt die Tochter. Die Kinder ziehen in die dritte Reihe, Opa zwei und Oma kommen an Bord. Trotzdem cruisen wir ganz behände das Isarufer hoch und schlängeln uns durch die Villenwohnsträßchen an der Grenze zu Pullach.

Hoch über der Isar liegt die Waldwirtschaft Großhesselohe. Als deren Biergarten-Lärm 1993 die Anwohner störte, nahm hier die Biergarten-Revolution ihren Anfang. Die Revoluzzer siegten. Seither dürfen Biergärten auch in lärmempfindlichen Gebieten bis 23 Uhr geöffnet sein. Darauf soll nun getrunken werden, mehr, als das Auto verbraucht: 4,9 Liter pro 100 Kilometer waren es auf dieser subjektiv ausgewählten Teststrecke, mit Autobahn sind es am Ende 5,1 Liter. Nicht übel. Wenn nur ein Opa, fasziniert vom Elektromotor und um mit seiner Kenntnis über das Nachbargrundstück zu prahlen, nicht eine SMS abgesetzt hätte: "Schleichen gerade flüsterleise und heimlich am BND entlang!" Wir werden sehen.

Technische Daten

Motorbauart: 4-Zylinder-Benzinmotor, Elektromotor
Systemleistung: 100 kW (136 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 11,3 s
Höchstgeschwindigkeit: 165 km/h
CO₂-Emission: 96 g/km
Durchschnittsverbrauch: 4,1 Liter
Basispreis: 29.990 Euro

Mark Spörrle ist stellvertretender Chef vom Dienst der ZEIT