Ja, wir müssen uns Sorgen machen. Zwei Wochen nachdem die Baumarktkette Praktiker Insolvenz angemeldet hat, trifft es nun auch den kleinen Bruder Max Bahr. Zwischen 80 und 120 Filialen, heißt es, seien bedroht. Das sind beunruhigende Nachrichten. Nicht nur weil es um die Verfassung der Eigenheime geht, die ja seit je das wichtigste Gedankengebäude der Deutschen sind. Es geht auch um uns selbst, die Bewohner.

Dass der Baumarkt nicht bloß ein praktisches, sondern ebenso ein seelisches Ersatzteillager ist, wissen wir spätestens, seitdem Hornbach, eine andere, erfolgreichere Marktkette, die Parole ausgab: "Mach es zu Deinem Projekt". Mit diesem Satz war das Heimwerken in der Sprache des urbanen Spätkapitalismus angekommen, im Jargon von Agenturen und Medienbüros, in denen nichts mehr Arbeit heißt und alles der Selbstverwirklichung dient.

"Hier hilft man sich", steuerte sogleich ein anderer Markt (Hagebau) dagegen und beschwor damit das fatale Dilemma zwischen kollektiver Fürsorge und existenzieller Verinselung. Der Baumarkt ist ein Platz der eigenen Erbauung, eine Kathedrale der Selbstberuhigung in unserer flüchtigen Moderne, deren Wind immer heftiger pfeift (Dämmen Sie mit Steinwolle!). Mehr noch: Er ist ein Ort der gesellschaftlichen Zusammenkunft. Schließlich merkt hier selbst der Radikalkonstruktivist, dass auch sein Elfenbeinturm bloß von Universalmörtel im Innersten zusammengehalten wird.

Und was könnte tröstlicher sein als einige Tausend Quadratmeter, auf denen noch alles seine Ordnung und einen Namen hat: Gartensitzgruppe Melanie, Heizkörper Berlin und Kairo (extra groß), Toilette Admiral und Spülkasten Atlantik. Wenn seit Leibniz die Endlichkeit des Stoffes das größte metaphysische Übel darstellt: Im Baumarkt gibt’s immer Nachschub. Wer ihn betritt, dem wird schnell klar, dass fehlende Latten und lockere Schrauben nicht nur ein praktisches Problem sind, sondern auch einen Geisteszustand darstellen können. Nicht nur eine Pergola ist ein gebrechlich Ding, sondern auch die Welt an sich, gefangen zwischen ewigem Werden und unmöglichem Ankommen. Und wenn wir schon nichts verbessern können, renovieren wir wenigstens das Haus. Wir hämmern, bohren, dübeln, staunen vor Schlagbohrhämmern und warten an Schmirgeltheken auf den Fachmann, der in solchen Hallen seine letzte Zuflucht gefunden hat, umhüllt vom Duft frisch gesägter Kiefernlatten. Einer, der uns freundlich fragt, ob wir denn wirklich alles haben, was wir brauchen. Was wären wir nur ohne ihn?