Ungeheuerliches trägt sich derzeit in der sommermüden Republik zu. Die Gewerkschaft der Fließbandarbeiter will sich auch nach 33 Verhandlungsrunden kein neues Dienstrecht aufbrummen lassen. Diese beklagenswerten Opfer des Fordismus, die bienenfleißig bei miserablen Arbeitsbedingungen schuften, sollen künftig zwei Wochenstunden mehr arbeiten. Nicht insgesamt 42-mal, sondern lediglich 24 (!) mal 60 schweißtreibende Minuten. Ausnahmeregelungen gibt es natürlich immer. Sollte sich irgendein Kollege finden, der in irgendeiner Angelegenheit Rat sucht, kann diese Zeit selbstredend in Abzug gebracht werden. Vergessen wird bei der komplexen Arbeitszeitrechnung allerdings, dass diese Berufsgruppe rund vier Monate bezahlten Urlaub im Jahr genießt. Wir alle kennen es, das Bild des an seinem Longdrink schlürfenden Fließbandarbeiters, irgendwo an einem sommerlichen Gestaden in Griechenland, Italien oder Kroatien. Nun wird behauptet, diese arbeitsfreien Monate seien notwendig, um sich geistig auf die neue Fließbandsaison vorbereiten zu können. Bei allem Respekt für diesen Job, aber wo kämen wir denn da hin, wenn alle Berufsgruppen ein Drittel des Jahres zur Vorbereitung eines 24-Wochenstunden-Jobs benötigten? Supermärkte, Amtsstuben oder Restaurants, die nur acht Monate lang geöffnet sind und am Wochenende ohnehin samt und sonders geschlossen? Das Land würde veröden. Kaum auszudenken, würden sich etwa auch die Lehrer diese Unsitte der Fließbandarbeiter zum Vorbild zu nehmen. Undenkbar, denn in diesem Fall würden sie sicherlich ihre eigenen Interessen zum Wohle eines funktionierenden Bildungssystems zurückstellen. Ein Garant dafür ist die verantwortungsbewusste Lehrergewerkschaft.