Endlich gibt es gute Nachrichten in diesem unmenschlichen Sommer: Die US-Regierung hat dem flüchtigen Edward Snowden sehr nett versichert, dass er nach seiner Rückkehr weder gefoltert noch mit den landesüblichen Gerätschaften (Giftspritze, elektrischer Stuhl) hingerichtet wird. Die Staatsanwaltschaft, so Justizminister Eric Holden, werde auf die Beantragung der Todesstrafe verzichten.

Sie erinnern sich: Snowden ist jener Wichtigtuer, der als NSA-Mitarbeiter tonnenweise Staatsgeheimnisse an einen zwielichtigen Journalisten verraten hat. Aus gut unterrichteten Kreisen heißt es, Snowden sei ein typischer Stalker und habe mit seiner Tat bei einer verheirateten Kollegin Eindruck schinden wollen, nachdem diese seine unverschlüsselten Ausspähversuche satt- und ihm einen saftigen Korb gegeben hatte. Vom Chef der Inlandsaufklärung zur Rede gestellt, entpuppte sich Snowden als armes Muttersöhnchen, aber bekanntlich ist die Weltgeschichte des Verrats randvoll mit postheroisch verzärtelten Männern, die der väterlichen Strenge einer militärischen Einrichtung seelisch nicht gewachsen waren.

Nun hockt unser bleiches, verwöhntes Bübchen im Transitbereich des Moskauer Flughafens und verspeist Tütensuppen, Instant-Gurken und Russisch Brot. Warum packt er nicht sein Handtäschchen und fliegt heim zu Mutti? Will er schon wieder eine Extrawurst gebraten kriegen? Soll ihn seine Frau Mama etwa mit der Air Force One abholen? Barack Obama hat dem Verräter den roten Teppich ausgerollt, und noch nie hat Amerika einem Staatsfeind so viel Freiheit versprochen: keine erkennungsdienstliche Vorzugsbehandlung in bewährten Folterstaaten, kein stündliches Waterboarding, kein wochenlanger Schlafentzug, kein Stehen an der Zellenwand in schmerzhafter Körperhaltung und keine Reise in die malerische Enklave Guantánamo mit Sonne satt. Stattdessen Haftbedingungen wie bei Bradley Manning im Gefängnis Base Quantico, gelegen im wunderschön grünen Virginia. Täglich 23 Stunden ungestörte Ruhe in einer gemütlichen Einmannzelle, ohne lästigen Außenkontakt, ohne nervtötende TV-Nachrichten, und das bei abwechslungsreichen Fertigspeisen vom Sternekoch aus dem Hochsicherheitstrakt. Was das Muttersöhnchen für den Rest seines Lebens noch erwartet? Zwanglos schlafen wie am Strand: ohne Kissen, ohne Kleider, ohne alles. Jeden Morgen Antreten im Adamskostüm, denn ein Whistleblower hat nichts zu verbergen. Dafür keine Giftspritze. Was will der Mensch mehr?

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