Bei der Frage, ob er einen großen Fisch gefangen habe, konnte sich der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara vergangene Woche ein triumphierendes Lächeln nicht verkneifen. Bharara hatte zur Pressekonferenz geladen, um seinen jüngsten Fang zu präsentieren: SAC Capital, einen 14 Milliarden Dollar schweren Hedgefonds. Der Vorwurf lautet auf kriminellen Insiderhandel. Der dicke Fisch, das eigentliche Ziel von Bhararas Anklage, ist Steven A. Cohen. Seit sieben Jahren versuchen Ermittler des FBI, dem Gründer von SAC illegale Machenschaften nachzuweisen. Jetzt endlich glauben die Strafverfolger, ihn überführen zu können.

Cohen, besser bekannt als Stevie, ist nicht irgendein Hedgefonds-Manager. An der Wall Street nennen sie ihn ehrfürchtig den Magier. Es heißt, er könne wie kein anderer künftige Kursbewegungen vorhersagen. Über die vergangenen zwei Jahrzehnte erzielte SAC eine jährliche Rendite von durchschnittlich 30 Prozent. Cohens Fonds ist so bedeutend, dass er den Aktienmarkt bewegen kann: Als die Nachricht von der bevorstehenden Anklage durchsickerte, begannen Investoren hektisch ihre Portfolios umzustellen, weil sie Zwangsverkäufe von SAC erwarteten.

Längst ist es nicht mehr Cohen, der den Fonds mit seinem Instinkt lenkt. Für SAC geht es wie für alle anderen Hedgefonds darum, früher als andere zu wissen, was den Kurs eines Unternehmens bewegen wird. Dazu haben sich Cohen und seine Co-Manager ein weites Netz von Tippgebern und Branchenexperten aufgebaut, die dem Fonds unzählige Daten und Hinweise etwa auf die Umsatzentwicklung oder den Stand von neuen Produkten zukommen ließen. Die Strafverfolger glauben, dass sich SAC viele dieser Tipps auf unzulässige Weise verschafft hat: von Unternehmensinsidern, die vertrauliche Informationen ausplauderten und sich dafür bezahlen ließen. Acht SAC-Mitarbeiter, von denen einige den Fonds bereits verlassen haben, sind von den Behörden wegen Insiderhandels angeklagt worden, sechs von ihnen haben sich bereits schuldig bekannt. Der Vorwurf der Ermittler lautet, Cohens Fonds habe Insiderhandel bei den Mitarbeitern toleriert und sogar gefördert. Cohen und sein Unternehmen haben alle Vorwürfe zurückgewiesen.

Cohen ist nicht der einzige erlöschende Superstar an der Wall Street. Sein Niedergang steht in einer Reihe mit anderen gefallenen Geldmanagern. In der Branche geht die Befürchtung um, dass die Ära der Hedgefonds mit ihren überlebensgroßen Charakteren und ebenso überlebensgroßen Gewinnen zu Ende gehen könnte. "Vielleicht sind Hedgefonds schlicht zu groß für ihre Jachten, für ihre Märkte und für ihre Erfolgschancen geworden", bemerkte das Wirtschaftsmagazin Businessweek kürzlich bissig. Tatsächlich ist es Hedgefonds in den vergangenen Jahren nicht mehr gelungen, jene märchenhaften Gewinne früherer Zeiten einzufahren. Die Renditen sind immer magerer geworden. Im laufenden Jahr kommen Hedgefonds auf eine durchschnittliche Rendite von 3,5 Prozent. Wer stattdessen einen Indexfonds gekauft hätte, der den breiten amerikanischen Aktienindex S&P 500 abbildet, hätte im selben Zeitraum 18 Prozent gutgemacht. Vor zehn Jahren meldeten die Hedgefonds noch stolze 20 Prozent Jahresrendite, und 1993, vor 20 Jahren, waren es sogar 30 Prozent, wie der Branchendienst Hedge Fund Research errechnete.

Cohen ist ein untersetzter Kahlkopf, der meist in einem dunkelblauen Fleecepulli und Jeans erscheint. Er sieht nicht aus wie einer dieser Wall-Street-Tycoons, eher wie sein eigener Steuerbuchhalter, wie das Finanzmagazin Bloomberg Markets spottete. Sein Lebensstil allerdings ist alles andere als bescheiden. Im März leistete er sich ein neues 60 Millionen Dollar teures Strandhaus in den exklusiven East Hamptons. Mit seiner Kunstsammlung aus Werken von Cézanne, Monet, van Gogh und Warhol zieht er den Neid von Museumsdirektoren auf sich, erst vor ein paar Monaten kaufte er einen weiteren Picasso für 155 Millionen Dollar.

Ein gefallener Held ist auch John Paulson, der mit seiner Wette gegen den US-Immobilienmarkt nicht nur steinreich, sondern auch weltbekannt wurde. In zwei Bestsellern wurde dem vormals unbekannten Fondsmanager ein Denkmal gesetzt. Im Krisenjahr 2007 kassierte Paulson rund 3,7 Milliarden Dollar, drei Jahre später heimste er einen Rekordgewinn von 5 Milliarden Dollar ein.