Doch, man darf das durchaus so sagen: Katja Kipping ist etwas gelungen, das kaum einer erwartet hätte. Ihre Partei, in der Ossis und Wessis immer wieder voller Lust aufeinander losgegangen sind, ist – wenigstens vorerst – befriedet. Ein Jahr nach Antritt des eher als Verlegenheitslösung gewählten Spitzenduos Kipping und Bernd Riexinger steht die Partei geschlossener da. Es hätte durchaus anders kommen können.

Denn ein Jahr nach Antritt dieses Duos, das heißt ja auch: ein Jahr nach jenem verheerenden Göttinger Parteitag, auf dem Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi von "Hass" gesprochen hatte, Hass zwischen westdeutschen Fundamentalisten und ostdeutschen Pragmatikern in der Partei. Hass, der die notorisch zerstrittene Linke, diese ewige Zweckehe zwischen ostdeutscher Volks- und westdeutscher Splitterpartei, endgültig zu zerreißen drohe.

Aber nicht einmal die krachende Niederlage bei den Landtagswahlen in Niedersachsen Anfang 2013 hat die neue Parteiführung beschädigt. Stattdessen erlitt Kippings Rivalin, Vize-Parteichefin Sahra Wagenknecht, einen Dämpfer. Wagenknecht war in Niedersachsen als Testimonial angetreten – erfolglos.

In der Partei wird von der neuen Führung schon geschwärmt: Kipping habe eine "ganz andere Art Politik" eingeführt und den "kompromisslosen Hau-drauf-Stil" ihrer Vorgänger beendet, sagt etwa Dagmar Enkelmann, Parlamentarische Geschäftsführerin im Bundestag. Die Gräben zwischen Ost und West könne zwar auch Kipping nicht vollständig zuschütten, "weil wir ja immer noch die gleichen Leute sind". Aber die Vorsitzende besuche jede Sitzung; sei immer da, wenn es brenne. Und sie nehme jede Meinung ernst. Sie sorge für "einen wirklichen Ausgleich und nicht nur einen Burgfrieden".

Einem ersten Sturm hielt Kipping stand: als sie Gregor Gysi in der Diskussion um dessen Stasikontakte verteidigte und eine Kampagne gegen die Ostdeutschen erkannt haben wollte. Parteigranden wie Wagenknecht und Oskar Lafontaine verweigerten ihr die Rückendeckung.

Aber das war egal. Lafontaine hat inzwischen seinen Rückzug aus der Bundespolitik verkündet. Und Wagenknecht muss sich erst einmal hinter Kipping anstellen. Als sie jüngst forderte, Lehrstellen in Deutschland sollten jungen Deutschen angeboten werden – man solle keine Talente aus Südeuropa abwerben –, wurde sie still abgewatscht. "Ohne großes Gewese oder öffentliches Nachtreten" habe es die klare Ansage gegeben, dass Wagenknechts Meinung "Minderheitenposition" sei, heißt es. Kipping habe sich längst eine Art "Richtlinienkompetenz" erworben.