Bei Norbert Lammert weiß man nie, wovon er am meisten beeindruckt ist: von der Bedeutung des Bundestagspräsidenten, von der Würde des Amtes – oder davon, wie würdevoll er selbst dieser Würde gerecht wird. Bei jeder Sitzung und mit jedem Satz. Nun soll auch Lammert, laut der moralischen Instanz Spiegel Online "eine moralische Instanz", bei seiner Doktorarbeit geschummelt haben.

Wir sind schockiert. Nicht über Lammert, sondern über das Promotionsthema eines christdemokratischen Bochumers: Lokale Organisationsstrukturen innerparteilicher Willensbildung. Fallstudie am Beispiel eines CDU-Kreisverbandes im Ruhrgebiet – auf unakademisch, also präzise, heißt das: Wie ich zu meiner Meinung kam.

Würden wir auch nach dem schnellen Doktor schielen, reichten wir bald schon die Arbeit ein Lokale Entscheidungsprozesse in innerredaktioneller Hierarchie. Fallstudie am Beispiel eines Lohnschreibers im ZEIT-Parlamentsbüro: Wie ich zu meinem Job kam. Denkbar wäre auch Horror Vacui – lokale Schreibblockaden bei näher rückender Deadline. Fallstudie am Beispiel eines Kolumnisten auf Seite 10: Wie ich zu dieser Kolumne kam. Schnell hingeschludert bekämen wir sicherlich auch Lokale Qualitätsoptimierung durch Outsourcing des Contentproviders – Fallstudie am Beispiel eines Heimatlosen in Berlin: Wie ich zuerst die Kolumne und dann meinen Job verlor. Aber wir wollen ja nicht auch noch Instant-Doc werden. Uns reicht es, die moralische Vakanz des Blattes zu sein.