Der Barockschrank überrascht mit einer raffinierten Diebstahlsicherung

Man bekommt bei Wenzel allerdings auch schlichter und praktischer gestaltete Stücke, etwa einen auf eine Länge von mehr als fünf Metern ausziehbaren Tisch aus Nussbaum. Er soll aus dem Frankreich des späten 18. Jahrhundert stammen (Preis: 20.000 Euro). Hätte man das Geld, man könnte sich gut einrichten in den Antiquitätenhandlungen Bambergs, die alle so nah beieinander liegen, dass man von Geschäft zu Geschäft weniger Fußwege zurücklegen muss als in einem größeren Möbelmarkt.

Bei Gregor von Seckendorff steht ein sehr gut gearbeiteter, mit der geschnitzten Geschichte des Salomonischen Richtspruchs verzierter Hamburger Schapp (Preis: 110.000 Euro), ein Schrank, den man wegen seiner monströsen Größe schwer in einer normal geschnittenen Wohnung unterbringen könnte, sehr wohl hingegen das kleine, grazile Tischchen (Preis: 1.650 Euro), das sich erst beim Öffnen der Schublade als Schminktisch mit einklappbarem Spiegel entpuppt. Elegant auch das Paar Säulenschränke aus Nussholz mit Travertinplatten, das wohl um 1820 in Norditalien hergestellt wurde (Preis: 8.600 Euro). Man könnte die runden Schränke mit Rum- und Whiskeyflaschen füllen oder aber mit Erstausgaben von Lyrikbänden, die es in dem direkt an der Regnitz gelegenen Antiquariat Lorang zu erstehen gibt.

Seckendorffs Laden ist der jüngste hier, der Betreiber ist erst dreißig Jahre alt, hat aber in den vergangenen Jahren schon bei seinem Vater Christoph von Seckendorff ausgeholfen. Seckendorff Senior ist nämlich Partner der Kunsthandlung Christian Eduard Franke, deren Namensgeber wiederum nicht aus Franken, sondern aus Bremen und dem Rheinland stammt, dafür aber besonders gern Janker trägt.

Auch Frankes Angebot, untergebracht auf drei Stockwerken eines gotischen Baus, ist breit, aber ausgewählt und teuer. Wer nicht aus dem Adel stammt, aber gerne dazu gehören würde, der kann sich hier bei Bedarf mit Objekten aus garantiert höfischem Besitz versorgen, mit Pendeluhren in feuervergoldeten Gehäusen und japanischem Imari-Porzellan etwa, und dann hoffen, dass die Objekte auf ihre Käufer abfärben. Franke bietet auch einen Braunschweiger Barockschrank (Preis im niedrigen sechsstelligen Euro-Bereich) mit fein gravierten Elfenbeineinlagen und einer ganz besonderen Diebstahlsicherung an: Der große, auf der Schrankinnenseite reich verzierte Schlossbeschlag verfügt über eine mechanische Uhr, die jede Türöffnung zählt. So kann überprüft werden, ob sich jemand an den kostbaren Tischdecken oder am Silberservice vergriffen hat, als deren Aufbewahrungsort sich dieser Schrank förmlich aufdrängt.

Auch für Silber gibt es übrigens eine Spezialistin in Bamberg: Der Laden von Julia Heiss ist zwar nur vier mal acht Meter groß, doch er quillt über von wohlgeformten Objekten und exotischen Geschichten. Heiss hat sich seit vier Jahrzehnten auf Silberware aus Dänemark spezialisiert, besonders auf die von Georg Jensen (1866 bis 1935), aus dessen Schmiede sie in ihrem Silberkontor derzeit etwa ein dreiteiliges Teeservice oder eine Sauciere zeigt. Befreiend sei es einst gewesen, aus dem piefigen Deutschland kommend, das dänische Design zu entdecken, erzählt Heiss. So befreiend wie für ihren Mann Karl William Heiss das Sammeln afrikanischer Masken und Skulpturen. Über 90-jährig, verkauft Heiss nun einen Teil seiner Sammlung, im gotischen Bau des Silberkontors hängt die afrikanische Kunst an den Wänden oder ruht in den Vitrinen zwischen dem Silber. So auch jene große Bronze, welche die Gefangennahme des Königs von Benin durch Bewaffnete darstellt, die man anhand ihrer Helme als britische Kolonialsoldaten identifizieren kann. Zu dem Silber und der Kunst aus Afrika gesellt sich dann noch chinesisches Porzellan, das die Heissens 1986 auf einer Auktion in Amsterdam erwarben. Das Porzellan war von Tauchern aus einem Mitte des 18. Jahrhunderts gesunkenem Frachtschiff geborgen worden, der Korallenbewuchs bezeugt die Geschichte. Die kleineren, türkisblauen Schüsseln kosten nur 200 Euro das Exemplar. Nicht sehr viel für ein Stück, das so weit und abenteuerlich gereist ist.