Friedrich II. hasste es schon als Kronprinz, sich in langen Sitzungen porträtieren zu lassen. Als er 1740 den preußischen Thron bestieg, brach er ganz mit dieser Herrscherpflicht. "Ich lasse mich nicht mehr malen", schrieb er 1743 an Voltaire. Trotzdem wusste bald jeder, wie er – vermeintlich – aussah. Denn durch Europa kursierten Standardporträts, von denen keines auf eigener Anschauung eines Malers beruhte. Noch Andy Warhol machte eine poppige Glamourversion daraus: ein gebeugter Mann am Stock, der mit weit aufgerissenen Glubschaugen die Welt misstrauisch begutachtet. Friedrich stilisierte sich ganz bewusst als verhärmter Herrscher, besonders nach dem Siebenjährigen Krieg, der Preußen beinahe den Untergang gebracht hätte. Er sei "grau wie ein Esel" geworden, schrieb er 1763 nach dem Ende der Schlachten. "Ich verliere alle Tage einen Zahn und bin durch die Gicht halb lahm." So zeigten ihn auch die offiziellen Bildnisse.

Ein Friedrich-Porträt, das zu den zahlreichen museumswürdigen Stücken im Angebot der Bremer Kunsthandlung Neuse gehört, zeigt genau das Gegenteil: einen Mann, der Lebensspuren trägt, aber keineswegs verhärmt oder frühvergreist wirkt, stattdessen fast faltenlos und jugendlich frisch. Es ist eine schnell gemalte, zum Teil impressionistisch-flüchtige Ölskizze. Sie entstand im Juni 1763, als Friedrich seine Schwester Philippine Charlotte besuchte, die ins Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel verheiratet worden war. Philippine konnte den Bruder überreden, dem braunschweigischen Hofmaler Johann Georg Ziesenis eine einstündige Porträtsitzung zu gewähren. So ist es das einzige authentische Bildnis aus Friedrichs 46 Jahre währender Regierungszeit. Ziesenis wiederholte es in einigen Versionen, aber zur Herrscherikone wurde das Porträt nie. Das Gemälde war seit seiner Entstehung in Welfenbesitz; 2009 wurde es bei Bolland & Marotz in Bremen für 670000 Euro versteigert. Im letzten Jahr war es in der Friedrich-Ausstellung in Potsdam zu bestaunen, bei Neuse ist es nun für 1,5 Millionen Euro zu haben. Ein stolzer Preis, aber es ist eben ein Traumstück: menschlich, künstlerisch, historisch.