Die Frage: Caro und ihr Ehemann Xaver verstehen sich wunderbar. Sie haben keine Kinder, aber viele Freunde und interessante Berufe, über die sie sich intensiv austauschen. Nur die Erotik liegt danieder. Meistens behauptet Xaver, er brauche das nicht. "Ich schon", klagt Caro verhalten; manchmal hat sie auch kurze Affären, die sie abbricht, wenn ihre Liebhaber Ansprüche stellen. Sie will Xaver nicht verlieren. "Eigentlich wollte ich es dir nie sagen", gesteht Xaver eines Abends. Und berichtet, dass er Fantasien hat, in denen er Sklave ist und sich eine Herrin wünscht, die ihn schlägt. Er schämt sich, Caro da hineinzuziehen, und gibt nichts Genaueres mehr preis. Wird Caro mit Xaver den Sex haben, den sie sich wünscht? Oder gerät sie in eine perverse Welt?

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Was heißt schon perverse Welt! Wir leben alle in einer, auch wenn wir es oft nicht wahrhaben wollen. Ganze Gesellschaften haben Selbstbefriedigung für pervers gehalten, Doktorspiele unter Kindern schwer bestraft und Ehebrecherinnen gesteinigt. Caro sollte sich gegen ihre Ängste wappnen, dass Xaver mit einem Schlag ein Sexmonster wird, wenn er ihr etwas von seinen Fantasien erzählt. Er bleibt trotzdem ihr geliebter Mann. Sie kann außerdem jederzeit einhalten und umkehren, wenn ihr nicht mehr gefällt, was er sich da zurechtträumt. In der Erotik ist die Neugier ein besserer Begleiter als die Angst vor Abgründen. Sie hilft dem Paar dabei, Neues zu erproben und Rituale zu finden, mit denen sich beide Seiten wohlfühlen.