Einen der größten Waffendeals der jüngeren deutschen Geschichte besiegelt das Auswärtige Amt mit einer E-Mail. "Auf Ihre Voranfrage darf ich Ihnen mitteilen, dass Ihnen die Bundesregierung eine Genehmigung der Ausfuhr in Aussicht stellt", schreibt das Ministerium am 6. August 2012 an den Münchner Waffenhersteller Krauss-Maffei Wegmann (KMW), "sofern sich die Umstände zum Zeitpunkt der Stellung des konkreten Antrages nicht wesentlich geändert haben, der Endverbleib gesichert ist und die Regierung von Katar hinsichtlich der Panzerhaubitze 2000 verbindlich erklärt, mit dieser keine Streumunition einzusetzen." Unter dem Punkt "Ware" listet das Außenministerium auf, worum es geht: 24 Panzerhaubitzen, 65 Kampfpanzer Leopard 2A7 im Systemverbund mit 5 Bergepanzern, 7 Fahrzeuge Fennek, dazu Übungs-, Gefechtsfeld- und Rauchmunition Kaliber 155.

Wenige Tage zuvor hatte der Bundessicherheitsrat unter Leitung von Kanzlerin Angela Merkel in Berlin den Deal beschlossen. 1,9 Milliarden Euro soll das Geschäft mit dem Golfstaat Katar der Bundesrepublik einbringen. Die einst von Außenminister Hans-Dietrich Genscher aufgestellte Leitlinie, keine Kriegswaffen in Krisengebiete zu liefern, ist Geschichte. Für die Regierung Merkel sind Waffenexporte in Konfliktregionen kein Tabu mehr, im Gegenteil – sie sind ein Pfeiler der Außen- und Sicherheitspolitik. Merkels Motto lautet "Ertüchtigung": Lieber Panzer liefern als eigene Soldaten schicken.

Der Deal von KMW mit Katar zeigt exemplarisch, wie schnell die Bundesregierung deutsche Waffengeschäfte abwickelt. Obwohl Berlin stets beteuert, jede Waffenausfuhr als Einzelfall gründlich zu prüfen, braucht das Bundeswirtschaftsministerium im März 2013 nur 19 Tage, um über den Antrag von KMW zu entscheiden. Der ZEIT liegen die entsprechenden Unterlagen exklusiv vor; sie ermöglichen die Rekonstruktion eines zügigen Rüstungsgeschäfts.

Drei Tage – länger soll es nicht dauern, bis die Waffenexporte genehmigt werden

Am 6. März 2013 unterschreiben der Generalstabschef sowie der Finanzdirektor der Streitkräfte Katars in Doha den von KMW aufgesetzten Vertrag mit der Nummer GHQ/3/CA/008/12. Das Münchner Unternehmen soll zwei Bataillone ausrüsten. Am nächsten Tag unterzeichnet ein Generalmajor das Endverbleibszertifikat. Ein solches Dokument müssen die Kunden der deutschen Rüstungsindustrie vor jedem Export vorlegen. Darin sichern sie zu, die in Deutschland bestellten Waffen nicht ohne Zustimmung der Bundesregierung weiterzuverkaufen. Das Zertifikat hat allerdings einen Schönheitsfehler: Eine von den Deutschen verlangte Zusicherung ist durchgestrichen, was später für Probleme sorgen soll.

Nach dem Vertragsabschluss informiert KMW die deutschen Behörden. Am 7. März 2013 geht bei Rüdiger Wolf, Staatssekretär im Verteidigungsministerium, um 11.43 Uhr eine E-Mail von KMW ein. Absender ist Frank Haun, der Vorsitzende der Geschäftsführung. Er berichtet dem "verehrten" Herrn Wolf, dass der "Vertrag Katar" unterschrieben worden sei, inklusive der Endverbleibserklärung. Haun kündigt dem Staatssekretär an, dass KMW "nun kurzfristig alle erforderlichen Genehmigungsanträge" stellen und sich mit dem Bundespresseamt in Berlin und der Regierung in Doha wegen der Kommunikation abstimmen werde. Er scheint sicher zu sein, die Genehmigung rasch zu erhalten.

Zuständig ist dafür aber das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi), bei dem am selben Tag um 16.21 Uhr der eingescannte "Antrag auf Herstellungsgenehmigung und Beförderungsgenehmigung" von KMW per E-Mail eingeht – unterschrieben vom Ausfuhrverantwortlichen und vom Zollbeauftragten. Die Originalunterlagen folgen später. Flankiert wird die E-Mail von einem Anruf eines KMW-Mitarbeiters. Am Telefon habe dieser geltend gemacht, die "Genehmigung noch in dieser Woche, spätestens aber Montag in Händen halten zu müssen", berichtet ein Beamter im Wirtschaftsministerium an seinen Vorgesetzten. Das Gespräch findet an einem Donnerstag statt. KMW möchte die Genehmigung also bereits einen Tag, spätestens drei Werktage nach Eingang des Antrags erhalten.