In seinem Heimatland, diesem "Garten, umspült von Meer" (O-Ton), füllt er locker große Arenen. Mindestens zwei Generationswechsel hat er schon überstanden, und vor dem nächsten braucht ihm nicht bang zu sein. Denn alle kennen und lieben ihn, Großmütter und Mütter, Töchter und Enkel. Und wenn es auch um viele seiner Kollegen früher oder später still geworden ist – er steht in den Charts, zuverlässig wie ein Uhrwerk aus dem Land seiner Exfrau.

Interessanterweise hat er sich von Beginn an für seine Muttersprache und so gegen die Weltsprache entschieden, die das Business prägt. Damit war er nicht der Erste seiner Zunft, wurde aber der Erfolgreichste. Und das auch im Ausland, was daran liegen mag, dass ausgewanderte Landsleute seine Lieder weltweit exportiert haben. Und wenn er dann auf einer Bühne fern seiner historisch wichtigen Geburtsstadt ein Konzert gibt, trällern oft auch jene die Refrains mit, die seine Sprache gar nicht beherrschen. Moden? Trends? Kein Thema für den nun bald 50-Jährigen: "Ich habe mich schon immer von verschiedensten Stilrichtungen beeinflussen lassen. Trotzdem wird meine Musik immer nach mir klingen."

Liegt natürlich auch an seiner unverwechselbaren Stimme, mit der er vor Jahrzehnten einen Talentwettbewerb gewann, um dann zum Star zu werden. Wer kennt das nicht: Man sitzt in einer Strandbar, und irgendwoher weht eines seiner Lieder herüber, vielleicht jenes, das er für seine ältere Tochter schrieb – ja, dann hat man schon mal das Gefühl von Déjà vu und beginnt zu glauben, dass diese Art Musik seit jeher zu seinem Land gehört wie der Wein zum Berg. Übrigens, auch seine schöne und sprachgewandte Exfrau schaut ab und zu nach begabtem Nachwuchs aus. Ob sie dabei auch an ihn und seine Erfolgsstory denken muss? Er selber weiß vermutlich gar nicht mehr genau, wie viele seiner Songs zu Evergreens, fast Hymnen wurden. Obwohl es Leute gibt, die seine Stimme nicht mögen. Ihm egal, solange er von anderen gefeiert wird. Bleibt zu erwähnen, dass er auch noch gut Tore schießen kann. Wen wundert’s, dass ihm seine fußballverliebte Nation die Treue hält. Wer ist’s?

Lösung aus Nr. 31:

Carl von Ossietzky (1889 bis 1938) wurde als Herausgeber der "Weltbühne" 1931 wegen Landesverrats verurteilt. In der Nacht des Reichstagsbrands kam er in "Schutzhaft". Als ihm der Friedensnobelpreis für 1935 zuerkannt wurde, verbot Hitler allen Deutschen, je einen Nobelpreis anzunehmen