Vor acht Jahren (ZEIT Nr. 40/05) habe ich Herrn Sauers Frage schon einmal behandelt. Die Antwort damals: Nein, der Mond hat keinen Einfluss auf unseren Schlaf, solange wir sein Licht abschirmen. Dabei berief ich mich auf eine Studie der österreichischen Schlafforscher Josef Zeitlhofer und Gerhard Klösch aus dem Jahr 2003. In der hatten selbst Menschen, die fest an die Wirkung des Mondes glaubten, in allen Mondphasen gleich gut geschlafen.

In der vergangenen Woche aber machte eine Arbeit Schlagzeilen, die der Baseler Chronobiologe Christian Cajochen und seine Kollegen in der Zeitschrift Current Biology veröffentlicht haben. Die Daten stammen aus einer Schlafstudie zu anderen Fragen aus den Jahren 2000 bis 2003. "Nach einem Drink in einer örtlichen Bar" kamen sie auf die Idee, ihre Daten noch einmal auf einen Zusammenhang zwischen Schlaf und Mondphasen zu untersuchen. Und siehe da: Ihre Probanden schliefen bei Vollmond fünf Minuten später ein als in anderen Nächten, in der ganzen Nacht schliefen sie 20 Minuten weniger.

Andere Schlafforscher sind von diesem Ergebnis allerdings nicht sehr beeindruckt. In die Berechnung gingen nur 64 Personen-Nächte ein (bei den Österreichern waren es über 5.000). Und fünf Minuten später einschlafen, das ist noch keine Schlafstörung. Zudem muss man davon ausgehen, dass die Probanden wussten, welche Mondphase gerade herrschte. Eine wirkliche Blindstudie zu der Frage steht also noch aus – sofern sie überhaupt möglich ist.