Wir könnten im Wochenmarkt eine neue Serie starten, in der wir in loser Folge Gerichte rehabilitieren, die sich unter dem Begriff "Verhunzte Klassiker" zusammenfassen lassen. Der Nizzasalat zum Beispiel lebt heute in einer Plastikschachtel im Kühlregal des Rewe-Markts: ein paar grüne Blätter, darauf ein Haufen Dosenthunfisch und eine einzelne Olive, die daran erinnern soll, dass dieser Salat einer war, der seine Erfinder vom Sommer an der Küste träumen ließ. Offenbar entstand der Salade Niçoise nämlich gar nicht in Nizza, am Meer, sondern Ende des 19. Jahrhunderts in Paris, wo die Leute im Gegensatz zu den Küstenbewohnern eine verträumte Vorstellung vom Meer hatten. So wie die Figuren bei Anton Tschechow sich etwa zur selben Zeit Moskau schöner vorstellten, als es wohl war.

Alle Wochenmarkt-Rezepte © Miguel Medina/AFP/Getty Images

Statt Dosenthunfisch nimmt man also ein frisches Filet, das nur kurz in etwas Öl in der Pfanne angebraten wird. Nach Möglichkeit ist es innen noch fast roh. Um den Fisch herum richtet man die Zutaten auf einem großen Teller so an, dass nicht gleich ein Chaos daraus wird: die grünen Bohnen, die blanchiert wurden und noch Biss haben; die Kartoffeln, gekocht, gepellt, geviertelt; die geviertelten Tomaten; die Eierspalten; die Sardellen. Ein paar Oliven können nicht schaden.

Dann gibt man das Dressing darüber. Es besteht aus Olivenöl, Essig, vielleicht etwas Zitrone, Salz, Pfeffer und Senf. Diese Zutaten verrühren, in feine Ringe geschnittene Frühlingszwiebel dazugeben. Zum Schluss verteilt man die Basilikumblättchen auf dem Salat.

Salade Niçoise
(für 2 Personen)

1 Handvoll Grüne Bohnen
4 neue Kartoffeln
4 kleine Tomaten
200 g frisches Thunfischfilet
4 Sardellen
2 hart gekochte Eier
ein paar Basilikumblätter

Für das Dressing:
3 Frühlingszwiebeln 
4 EL Olivenöl
1 EL Essig
etwas Zitronensaft
1 TL Dijon-Senf
Salz, Pfeffer