Der Gründer trägt einen Thob, ein gestärktes, weißes Ganzkörperkostüm. Er ist neugierig, energiegeladen, ideenreich, rastlos – jung geblieben. Er erzählt von der wilden Zeit Anfang der achtziger Jahre, gerade einmal 27 Jahre war er alt. Die Saudis bauten wie verrückt, irgendwo musste das Geld aus dem Ölreichtum ja hin.

"Wir sind Marktführer", sagt er heute, zwei Milliarden Dollar Umsatz machen seine Unternehmen, allein in Riad beschäftigen sie 14.000 Menschen. Und der Firmengründer will weiterwachsen, etwa durch den Verkauf des mobilen Lichtschalters, den er in der Hand hält. "Hier, versuchen Sie mal selbst", sagt er und reicht das weiße Plastikviereck über den Besprechungstisch in seiner Zentrale.

Doch die Sache mit dem Wachstum ist verzwickt. Fast 30 Millionen Menschen leben in Saudi-Arabien, fast zwei Drittel sind 25 Jahre oder jünger. Rund 20 Millionen sind Saudis, die restlichen sind Gastarbeiter. Das Problem liegt oft bei den Saudis. Das Öl und das viele Geld haben sie über die Jahrzehnte bequem werden lassen: Viele wollen gar nicht arbeiten oder jedenfalls nicht den ganzen Tag, und diejenigen, die es aus wirtschaftlicher Notwendigkeit müssen, sind oftmals nicht sonderlich motiviert.

Früher waren Saudis fast nur beim Staat beschäftigt, private Firmen stellten meist Ausländer ein, Ingenieure und Facharbeiter aus Ägypten und Syrien, Indien und Pakistan. Der König hat das 2011 auf einen Schlag geändert und ein Quotensystem für einheimische Angestellte eingeführt, je nach Größe und Typ der Firma.

Alfanar beschäftigt zwar schon zwölf Prozent Einheimische und liegt damit über dem eigenen Soll, aber der Chef benennt auch die Grenze des guten Willens. "Wir konkurrieren um die guten Saudis", sagt Al-Mutlaq, um die motivierten mit der guten Ausbildung: "Quoten allein reichen da nicht." Da nur ein Zehntel der einheimischen Arbeitnehmer im Privatsektor arbeitet und die Staatsdiener für die Firmen oft unattraktiv sind, ist die Auswahl heute klein. Also sucht Alfanar sein Heil bei den Frauen.

Hinter der Zentrale auf dem Alfanar-Gelände steht ein graues Wellblechgebäude. Die Türen sind verschlossen, kein Fenster erlaubt einen Blick hinein – weil hinter der Fassade ausschließlich Frauen arbeiten: Arbeiter, Produktionschefs, Teamleiter, Ingenieure, alle sind sie weiblich. Sie stellen dort elektronische Kleinteile wie Schalter her.

Al-Mutlaq ist ein Pionier: Erst seit dem Jahr 2004 ist es in Saudi-Arabien erlaubt, Frauen einzustellen. Damals warb Al-Mutlaq gleich vier Mitarbeiterinnen an. Doch damit sich die Anstellung von Frauen lohnt, braucht er mehr, viel mehr. Das Gebäude, die Maschinen, der eigene Bustransport für die Frauen zur Arbeit und nach Hause, das alles kostet – wenn es nicht ausgelastet ist oder nicht mit den Männern geteilt werden darf – zu viel Geld.

Gern hätte Al-Mutlaq auch mehr Frauen im Management, gern würde er Grenzen beseitigen zwischen Frauen- und Männerarbeit, weil dann vielleicht bessere Ergebnisse dabei herauskämen. Aber oft, sagt der Unternehmer, seien es auch die Frauen selbst, die auf den alten Trennungsregeln bestünden. Die Konservativen unter ihnen hülfen, das alte System zu bewahren, mit dem sie groß geworden sind.

Dieses System errichtet gewaltige Hürden, die fast die etwas kleinere Hälfte der Bevölkerung (das Land hat einen notorischen Männerüberhang von fast 20 Prozent, weil die Gastarbeiter fast alle männlich sind) in ihrer Bewegungsfreiheit einschränkt. Der wahhabitische Islam, alte und neue erfundene Traditionen bestimmen das so.

Professoren sprechen zu Studentinnen hinter einseitig verspiegelten Glaswänden, Frauen brauchen zur Fortbewegung einen ausländischen Chauffeur, Firmen haben einen Männer- und einen Frauentrakt, Restaurants, Banken und Behörden getrennte Eingänge. Was immer man in Saudi-Arabien baut, man baut es doppelt. Das Land hat sehr viel Zeit, Erfindungsreichtum und Geld in Ideen gesteckt, um Männer und Frauen räumlich zu trennen – und jetzt verwendet es viel Energie darauf, um trotz dieser Trennung die Wirtschaft jenseits des Öls in Gang zu bringen.

Lange Zeit versuchte man gar nicht erst, die Frauen überhaupt für den Arbeitsmarkt auszubilden. Erst seit 1970 gibt es saudische Studentinnen an Fachhochschulen. Heute lernen sogar schon genauso viele Frauen an den Universitäten des Landes wie Männer und profitieren davon, dass König Abdullah über ein Viertel des saudischen Staatshaushaltes für Bildung ausgibt.