Der Wahlkampf hat begonnen. Auf Plakaten, Flyern und an den Ständen auf den Marktplätzen geht es um Gerechtigkeit, Energie, Familien, Steuern, den Euro. Nur um eines geht es nicht: Bildung. CDU und SPD haben aktuell kein einziges Plakat, auf dem sie sich für Schulen oder Universitäten starkmachen. Bei den Grünen bläst lediglich eine kleine Göre die Backen auf und sagt "Hello Kita". Nur die FDP wagt sich mit einer sehr konkreten Forderung vor: "Gymnasium erhalten".

Die von Bundeskanzlerin Angela Merkel vor fünf Jahren beschworene Bildungsrepublik spielt in diesem Bundestagswahlkampf kaum eine Rolle. Im Wahlprogramm der CDU ist davon nur noch an einer Stelle die Rede. Auf 2 von 126 Seiten werden weitgehend unkonkrete Absichtserklärungen zur Wissenschaft abgegeben. Bei der SPD sieht es nicht besser aus. Wie niedrig der Stellenwert von Bildung im Wahlkampf ist, zeigt etwa auch die Berufung von Yasemin Karakaşoğlu als Bildungsexpertin ins Kompetenzteam von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Die Frau steht für Integration, ist in bildungspolitischen Kreisen aber eher unbekannt. Es sollte offenbar unbedingt eine Migrantin sein. Dabei gibt es in der SPD profilierte Bildungspolitikerinnen wie Doris Ahnen aus Rheinland-Pfalz.

Noch schlimmer sieht es beim Thema Wissenschaft aus: Forschung und Lehre sind immens wichtig für Wachstum und Wohlstand in diesem Land. Doch es fällt Politikern schwer, diesen Bereich den Wählern näherzubringen. Bayerns FDP-Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch, der sich sonst nicht scheut, auch unpopuläre Themen wie die Studiengebühren zu verteidigen, sagt: "Mit Wissenschaft kann ich keinen Wahlkampf machen." Die Themen seien zu komplex, zu akademisch.

Die Nichtbeachtung dieser Zukunftsthemen steht im Gegensatz zu den Interessen der Bürger, die bei Umfragen immer betonen, wie wichtig ihnen Bildung sei. Eltern von schulpflichtigen Kindern sowie Studenten sind eine große Wählergruppe. Doch die Parteien setzen andere Prioritäten. Das ist ignorant – und dumm.