DIE ZEIT: Herr Streit, wie geht es der Kleinen Hufeisennase?

Andreas Streit: Sehr gut für eine vom Aussterben bedrohte Art. Zum Glück hat man beim Bau der Waldschlößchenbrücke ihre Bedürfnisse berücksichtigt. Es wird ein nächtliches Tempolimit und eine fledermausfreundliche Beleuchtung geben.

ZEIT: 2007 hätte die Hufeisennase beinahe den Weiterbau der Brücke verhindert. Hat das Methode? Einst wurde schon der Bau der A 49 vom Kammmolch bedroht oder der einer ICE-Trasse vom Wachtelkönig ...

Streit: Wenn mich Stuttgart-21-Gegner fragen, ob ich eine gefährdete Fledermausart auftreiben kann, um den Bahnhofsbau zu stoppen, überlege ich schon: Wird da der Artenschutz instrumentalisiert? Auch in Dresden war die Fledermaus ja Druckmittel.

ZEIT: Es ging in Wahrheit nicht ums Tier?

Streit: Das habe ich nicht gesagt. Aber man darf Bauprojekte und Naturschutz nicht gegeneinander ausspielen, muss genau hinschauen. In Frankfurt-Hahn sollte eine Landebahn in ein Waldgebiet verlängert werden, in dem die Mopsfledermaus ihre Quartiere hatte. Also hat man einen Nachbarwald zum Naturschutzgebiet erklärt. So geht es auch.

ZEIT: Sind Fledermäuse so wichtig, dass es ein eigenes UN-Büro für sie geben muss?

Streit: Sie schmunzeln. Aber mal abgesehen von den faszinierenden Eigenschaften dieser Tiere – ihr Echo-Ortungssystem ist einmalig –, sind sie für die Balance des ökologischen Systems unersetzlich. Manche Fledermäuse fressen 6000 Mücken pro Nacht. In einigen Regionen spielen Fledermäuse bei der Pflanzenbestäubung eine ähnlich wichtige Rolle wie Bienen. Eine Welt ohne Fledermäuse wäre schlimm, deshalb haben die Regierungen vor 22 Jahren ein europäisches Fledermausabkommen beschlossen.

ZEIT: Sie haben uns überzeugt, Herr Streit. Wodurch sind Fledermäuse gefährdet?

Streit: Durch die Energiewende etwa: Windkraftanlagen sind problematisch. An den Rotorblättern schwankt der Luftdruck so stark, dass die Lungen der Tiere platzen. Da müssen Schutzmaßnahmen her, wir von Eurobats tragen dazu bei.