Auch ein Waffendeal mit Saudi-Arabien sorgte für Kritik. Heckler & Koch verkaufte dem saudischen Staatsunternehmen Military Industries Corporation (MIC) die Lizenz für den Nachbau des Sturmgewehrs G36. Das Oberndorfer Unternehmen half auch beim Aufbau einer Fabrik in Al-Chardsch und bildete Mitarbeiter aus. Saudi-Arabien könne keine Gewehre an Dritte verkaufen, sagte Heeschen damals in einem Interview mit der Wirtschaftswoche, um entsprechenden Sorgen entgegenzutreten. Heckler & Koch kontrolliere und liefere nämlich die zum Gewehrbau notwendigen Teile.

Im Februar 2013 stellte die saudische MIC jedoch gleich zwei Modelle des G36 auf der Rüstungsmesse International Defence Exhibition & Conference (Idex) in Abu Dhabi aus und bot die Waffe zuvor auch im Internet an. Heeschen beteuert indes, dass "jeder Verkaufsvorgang" durch deutsche Behörden genehmigungspflichtig sei.

In der Belegschaft haben einige Mitarbeiter auf jeden Fall den Eindruck, dass Heeschen die Unternehmenskultur auf Profitmaximierung ausrichte. Zwei ehemalige Heckler-&-Koch-Leute, die mehrere Jahrzehnte lang für den Gewehrbauer geschafft haben, wie sie sagen, und die ihre Namen nicht genannt wissen wollen, berichten, es gehe nur mehr darum, Geld aus dem Unternehmen zu ziehen, und nicht mehr um Ingenieurkunst, seit Heeschen das Kommando führe. Sie haben Gerüchte über dessen Investoren-Historie gehört und machen sich nun Sorgen, dass es dem Unternehmen wie Wolf-Garten ergehen könne.

Der Gartengerätehersteller Wolf war einst für Gärtner das, was Heckler & Koch heute für Soldaten ist: ein Premiumhersteller, ein Weltmarktführer. 2004 übernahm die Wolf-Beteiligungsgesellschaft GmbH unter Führung von Heeschen das Unternehmen. Fünf Jahre später meldete Wolf Insolvenz an.

Heeschen nennt den Vorwurf, Geld aus dem Unternehmen Heckler & Koch gezogen zu haben, "absurd". Am operativen Geschäft der Wolf-Garten-Gruppe sei er im Übrigen gar nicht beteiligt gewesen. "Ich habe aber persönlich einen erheblichen, siebenstelligen Betrag durch die Insolvenz verloren, Geld, das investiert wurde, um das Unternehmen und seine Arbeitsplätze zu erhalten, mehr Geld als ursprünglich beabsichtigt oder geplant."

Ein weiteres Unternehmen, die Luhns GmbH, einen Seifen- und Waschmittelhersteller, verkaufte Heeschen Ende 2008. Ein Wirtschaftsprüfer stellte laut Wirtschaftswoche damals eine "existenzbedrohende Situation" bei Luhns fest.

Momentan scheint Heeschen sich vor allem auf Heckler & Koch zu konzentrieren. Zur Blüte hat er auch dieses Unternehmen bislang nicht geführt. Im Jahr 2011 machte die Heckler & Koch GmbH einen Verlust von 19,5 Millionen Euro, 2012 waren es 5 Millionen Euro. Zudem stieg die Verschuldung: 2011 nahm das Unternehmen eine Anleihe über 295 Millionen Euro auf, mit einem Zinssatz in Höhe von 9,5 Prozent. Allein 32,2 Millionen Euro musste Heckler & Koch 2012 für die Zinstilgung aufbringen bei einem Umsatz von 202,8 Millionen Euro. Die geliehene Summe nutzte der Gewehrbauer dazu, eine alte Anleihe über 120 Millionen Euro abzulösen und ein im April 2013 fälliges Darlehen der Muttergesellschaft Heckler & Koch Beteiligungsgesellschaft zu kaufen. Letzteres war ein sehr spezielles Darlehen: Bis zum Ablauf waren keine Zinsen dafür fällig. Aus der geliehenen Summe von 100 Millionen Euro wurde am Ende aber ein Rückzahlungsbetrag von 170,1 Millionen Euro.

Die vorläufige Bilanz der Ära Heeschen: Die Rating-Agentur Standard & Poor’s bewertete Heckler & Koch am 24. Juni 2013 mit CCC+, Ausblick: negativ. Ein Wert auf Ramschniveau. Heeschen indes gibt an, dass die Ertragskraft der Gruppe ausreichend sei, "eine Anschlussfinanzierung" werde "ohne Probleme möglich sein".

Und nun? Vor einigen Jahren bereits sprach Andreas Heeschen von einem möglichen Verkauf des Gewehrbauers, auch im Geschäftsbericht der Muttergesellschaft 2011 wird ein Teilverkauf als Option genannt. Das dürfte angesichts der Schuldenlast von Heckler & Koch allerdings keine leichte Aufgabe werden. Aber Heeschen hat nach eigenem Bekunden ja eine Schwäche für große Probleme. Über seine Zeit bei Luhns sagte er einmal: "Es hat mir immer viel Spaß gemacht, hart am Wind mit der Mannschaft oft genug ums Überleben zu kämpfen." Bei Heckler & Koch würden viele Mitarbeiter auf diesen Spaß gern verzichten.