"Noch", sagt Fischer und grinst vieldeutig. Sollte der kleinteilige Business-to-Consumer-Bereich nicht kräftig wachsen, dann nur, weil der margenstarke Business-to-Business-Bereich schneller zulegt.

Wie schnell, das ist nicht nur an Flagshipstores in München, Frankfurt und Düsseldorf, in denen das Onlineunternehmen Produkte präsentiert, an Vertretungen in Österreich und Spanien und an Tochtergesellschaften in vier weiteren Ländern abzulesen. Es zeigt sich vor allem auf dem Firmengelände im Würzburger Industriegebiet. Während von 400 direkten Mitbewerbern die drei nächstplatzierten selbst gemeinsam nicht das Volumen des Marktführers Flyeralarm erreichen, schwillt hier ein imposantes Logistikzentrum an.

Und dann diese Lobby: urbanes Latte-macchiato-Design voll berufsfröhlicher Vertriebler und Marketingleute im Duz-Modus. Man gibt sich jung, man kleidet sich hip, man hat ja ein eher nostalgisches Produkt im Angebot, der Fachterminus lautet Druckerzeugnis. Um Kunden jeden Alters anzusprechen, hat Fischer das Image seiner Firma frisch aufpolieren lassen: "Bisschen anders, dynamischer, peppiger."

Die Agentur wollte ihm seinen Firmennamen nehmen, der zwar die Banden bei Spielen der Fußballnationalmannschaft und die Brust von Bayern Münchens Basketballern ziert, aber eben auch etwas kindisch klingt. Doch der Inhaber mahnte: "Flyeralarm hat uns geholfen, vom Billigdrucker zum Kataloglieferanten für Global Player zu werden." So blieb der Name. Wenigstens der.

Denn statt "Druck deine Idee" lautet der Slogan jetzt "Powered by Print" und heißt bei einem Reifenwechsel "auf der Pole-Position" willkommen. Die Botschaft ist klar: Überholspur, Tempo, Sieg. Allerdings nicht mit der protzigen Formel 1, sondern einem lässigen Mini als Werbeträger. Das spricht eher Großstädterinnen mit lustigen Strickmützen an als Vollgasfans mit Benzin im Blut.

Vor allem aber hat es Fischer angesprochen. Der mag zwar seit je Autos, fuhr damit aber erst um die Wette, als man beim Marken-Relaunch auf eine Rallye der britisch-bayrischen Kleinwagen stieß. "Wenn wir es sponsern, können wir auch mitfahren", erklärt der Badmintonspieler seinen Pistenabstecher und schwärmt, Beschleunigen auf der Geraden sei "langweilig, aus der Kurve ist toll". Selbst eine Rennlizenz hat er. Doch der Spaß höre auf, wenn er die Wochenenden fresse.

Denn eines ist Fischer geblieben: ein Genussmensch, ein Freund feiner Weine und guter Hotels. Also hat er sich eines gebaut, gleich neben dem Firmensitz. Eigentlich, so erzählte er bei einem Treffen im barocken Stadtchâteau unter alten Wandmalereien, sollte die Wiener Botschaft nur ein Ort sein, wo der Österreich-Fan auch daheim sein Schnitzel kriegt und Geschäftskunden gut unterkommen. Dann sei sie ein "echtes Hotel mit einfacher Küche auf Sterneniveau" geworden, mit dem sich zwar kein Geld verdiene lasse, das aber "riesig Spaß" mache. Der ist ihm inzwischen offenbar vergangen, Ende Juli wurde das Haus geschlossen.

Fischers Kerngeschäft boomt weiterhin. Und das, obwohl das Druckgewerbe alles andere als eine Wachstumsbranche ist. Um 25 Prozent im Jahr, hofft Fischer, solle Flyeralarm im Jahr zulegen, falls nötig ohne das Drucken, als reiner Dienstleister. In zehn Jahren, so fügt der Nachhaltigkeitsfan und Einkommensmillionär mit eigener Kinderhilfsstiftung hinzu, "machen wir Gewinne genug, um die Welt zu retten".

Und so, wie er dazu lächelt, irgendwo zwischen bodenständig und siegesgewiss, meint er das womöglich ernst.