ZEITmagazin: Herr Fischer, als Sie 2004 als Bundespräsident vereidigt wurden, war auch Ihr 94-jähriger Schwiegervater dabei. Warum war das für Sie so wichtig?

Heinz Fischer: Mein Schwiegervater war Jude und Sozialdemokrat. Nach dem sogenannten Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland kam er ins Konzentrationslager, zuerst nach Buchenwald und dann nach Dachau. Seine Mutter, seine Schwester und viele andere aus seiner Familie haben den Holocaust nicht überlebt. Er selbst ist aus dem KZ entlassen worden, als ein von Freunden vermitteltes Visum eintraf und er nach Schweden emigrieren konnte. Für ihn war es der absolute Kontrast zu diesen dunklen Stunden, dass er im hohen Alter in der österreichischen Bundesversammlung erlebte, wie sein Schwiegersohn als Bundespräsident des Landes vereidigt wurde, das er als rechtloser Häftling und Flüchtling verlassen musste.