Als am 9. September 1763 der dreißigjährige Buchdrucker Carl Gottlob Beck im schwäbischen Nördlingen, "wo vorher alles todt und ausgestorben war", eine kleine Druckerei nebst Buchhandlung übernahm, begann damit eine der erstaunlichsten deutschen Unternehmensgeschichten. 250 Jahre später gibt der Verlag C. H. Beck in München, wo er seit 1889 residiert, jetzt gleich mehrere Jubiläumsfeiern: für die fast 500 Mitarbeiter, für seine Leser am 14. September im Literaturhaus und bereits am Samstag die Festveranstaltung im Prinzregententheater. Auch Andreas Voßkuhle, als Präsident des Bundesverfassungsgerichts nicht nur dritter Mann im Staat, sondern zuerst Beck-Autor, wird dort eine Rede halten. "Ja, wir sind staatstragend – und das ist auch gut so!": Die beiden Verlegerbrüder Hans Dieter und Wolfgang Beck, die das Traditionshaus in der sechsten Generation seit Carl Gottlob führen, könnten das selbstbewusst-selbstironisch behaupten. Denn dieses Familienunternehmen, das in der Schwabinger Wilhelmstraße Noblesse und Understatement pflegt, ist tatsächlich ein Eckpfeiler deutscher Kultur, mit geschätzten 140 Millionen Euro Jahresumsatz auf Platz neun unter den Verlagen hierzulande.

Das liegt natürlich an der Rolle des von Hans Dieter Beck geleiteten juristischen Verlagsteils, dessen Produktion gleichsam die normative Basis der Bundesrepublik bildet. Aber auch das geisteswissenschaftlich-literarische Programm, das Wolfgang Beck verantwortet, prägt vielfach preisgekrönt das deutsche intellektuelle Bewusstsein. Anfang des vergangenen Jahrhunderts lieferten Oswald Spengler, Albert Schweitzer und Egon Friedell den Lesestoff für Bildungsbürger; seit den siebziger Jahren etablierte sich der Verlag als erste Adresse für große deutsche Geschichtsschreibung, mittlerweile erfolgreich erweitert um den globalen Blick, um Biografien, Kunstbände und Gegenwartsliteratur – mit renommiertesten internationalen Autoren, offen für das digitale Zeitalter. Gleich zwei Verlagsgeschichten gönnt man sich kurioserweise zum Jubiläum, jeweils eine für die juristische und eine für die geisteswissenschaftliche Sparte. Die Autoren Uwe Wesel und Stefan Rebenich verweisen auch auf die dunklen Seiten während des Nationalsozialismus, als man von der Arisierung eines jüdischen Verlags profitierte.

Ein Phänomen bleibt die kontinuierliche intellektuelle Ausstrahlung dieses Hauses. Es ist eben ein Kind der Aufklärung des 18. Jahrhunderts und hat sich als solches den Glauben an seine Mission, die gut verständliche Aufklärung seiner Leser, bewahrt. Nirgends finden kluge Köpfe ein so großes Publikum. Wünschen wir daher Geist und Geld für die nächsten 250 Jahre!