Bis in die frühen achtziger Jahre versuchte Klementine den Zuschauern im Werbefernsehen einzureden, jede neue Ariel-Variante wasche noch viel weißer als ihr jeweiliger Vorgänger: weiß, weißer, am weißesten. Die Masche war schon damals zum Einschlafen – was die Ariel-Werber mittlerweile auch kapiert haben, die Hersteller von Unterhaltungselektronik indes bis heute nicht. Zum Beispiel bei Fernsehern: Scharf, schärfer, am schärfsten – dieses Mantra beten deren Produzenten Jahr um Jahr erneut herunter und übersehen, wie es sich abnutzt. Nun soll Ultra HD angeblich das Maß aller Dinge sein. Der Standard verspricht eine viermal höhere Auflösung als Full HD, das die Hersteller noch bis vor Kurzem als superschärfste Auflösung überhaupt anpriesen. Schon damit konnte man freilich die Poren auf der Nase des Nachrichtensprechers erkennen, aus Sicht der Kunden ist der Mehrwert noch schärferer Fernsehbilder also überschaubar.

Trotzdem jubeln die Hersteller von TV-Geräten im Vorfeld der Internationalen Funkausstellung (Ifa) in Berlin, als ob es kein Morgen gäbe. Alles kreist um Full-Ultra-Hyper- und Was-weiß-ich-High-Definition, um innovative und vermeintlich innovative Spielzeuge für deutsche Wohnzimmer. Die Messe feiert zudem eine gegenüber dem Vorjahr um zwei Prozent größere Ausstellungsfläche. Als ob allein das ein Ausweis von Qualität wäre. Dicke Bücher sind auch nicht zwangsläufig besser als dünne. Und wie gut etwa Fernsehen wirklich ist, hat nicht nur mit der Bildschärfe, sondern auch mit dem Programm zu tun.

Die Begeisterung für neue Superlative und den Versuch, technische Grenzen noch ein klein wenig zu verschieben, verschleiert, dass die Kunden über dieses "weiter wie bisher" längst ihr Urteil gefällt haben – das im ersten Halbjahr 2013 äußerst schlecht ausfiel: Der Umsatz in der Unterhaltungselektronik ging im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 20 Prozent zurück. Die Aufrüstungsspirale im Wohnzimmer hat somit ausgerechnet zu einer Zeit ihr Ende erreicht, in der die Konsumlaune der Deutschen eigentlich hervorragend ist. Sie haben in der jüngeren Vergangenheit geshoppt wie selten zuvor, vor allem Smartphones und Tablets gingen weg, als seien sie morgen alle. Bei der klassischen Unterhaltungselektronik wie etwa Fernsehern indes haben die Verbraucher offenbar erkannt, dass die angepriesenen Neuerungen zwar technisch brillant sein mögen, letztlich aber ihr Geld nicht wert sind.

An den Produzenten geht das nicht spurlos vorbei. Loewe, der letzte deutsche Traditionshersteller von Fernsehgeräten, kämpft in einem Rettungsschirmverfahren um sein wirtschaftliches Überleben. Asiatische Hersteller wie Samsung verkaufen zwar noch viele Geräte, diese aber meist zum Schnäppchenpreis. Die ganze Branche ist in einem Preiswettbewerb gefangen. Sie muss sich etwas einfallen lassen, denn nur echte Innovationssprünge können die Abwärtsspirale durchbrechen und Kunden motivieren, wieder mehr Geld auszugeben. Aber noch ist diesbezüglich nicht allzu viel in Sicht. Nun gut: Auch die Waschmittelmacher von Ariel haben länger gebraucht, um zu erkennen, dass die "Jetzt noch weißer"-Strategie nicht beliebig fortsetzbar ist – und schließlich mit Colorwaschmitteln und flüssigen wie perlenförmigen Darreichungsformen völlig neue Produkte erfunden.

Spannend an der Ifa ist immerhin, dass zumindest ein wirklich neues Ding erwartet wird: Samsung will zwei Tage vor Beginn der Messe eine Armbanduhr vorstellen, die in irgendeiner Weise mit Mobiltelefonen kommuniziert. Für die Ifa-Macher ist die Produktvorstellung im Messeumfeld ein Glücksfall. Etliche namhafte Unternehmen aus der Computer- und Softwareindustrie haben sich nämlich längst von klassischen Messen zurückgezogen, um die Aufmerksamkeit der Besucher nicht mit der Konkurrenz teilen zu müssen. Microsoft beispielsweise verzichtete in diesem Jahr auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas auf einen eigenen Stand.

Apple würde sich einem Messebetrieb ohnehin nicht unterordnen. Der iPhone-Hersteller macht traditionell seine eigenen Veranstaltungen. Am Dienstag kommender Woche will er auf einer solchen neue Produkte vorstellen – parallel zur Ifa mit ihren mehr als 1.000 Ausstellern. Mal schauen, wer mehr Aufsehen erregt.