Rainer Brüderle, der Porsche unter den Spitzenkandidaten, hat seinem Widersacher Peer Steinbrück von der SPD vorgeworfen, er führe sich auf wie ein BMW, obwohl er in Wahrheit nur ein Fiat sei. Das hat unbegreiflicherweise eine Protestnote der Fiat-Werke nach sich gezogen, denen ein Kanzlerkandidat der zweitgrößten Partei offenbar nicht gut genug ist. Wichtiger aber ist die von Brüderle aufgeworfene Frage: Wie führt sich eigentlich ein BMW auf?

Autovergleiche muss man in Deutschland normalerweise nicht erklären. Eher ist es so, dass schwer verständliche Phänomene wie Hochspannungsleitungen den Leuten nahegebracht werden durch den Hinweis, es handele sich hier um Stromautobahnen. Die vollends unbegreifliche Welt der Fahrradfahrer, für die neuerdings sogenannte Radfernwege geplant werden, erschließt sich dem Normal-Verbraucher schneller mithilfe der Erläuterung, es gehe hier um Fahrradautobahnen.

Das richtige Betragen eines BMW im öffentlichen Raum hingegen bedarf der Erklärung. Dem BMW, meint Kandidat Brüderle offenbar, stehen Ansichten und Äußerungen zu, die sich ein Fiat wie Steinbrück besser nicht anmaße. Aber worin bestehen sie? Betreffen sie nur den Umgang mit Fiat und anderen Volkswagen? Ist es schimpflich, ein Fiat zu sein? Und soll man das unbestreitbare Sozialgefälle unter Automobilen allein durch die Bezeichnung des Herstellers zum Ausdruck bringen – als könnten sich ein Phaeton und ein Golf von Gleich zu Gleich begegnen?

Natürlich, vor dem Gesetz sind alle Autos gleich, niemand darf wegen seiner Karosserie oder seines Hubraums benachteiligt werden. Die von Brüderle angesprochene Differenzierung scheint aber eher die aus gutem Grund gesetzlich ungeregelte Sphäre des Stils und der Umgangsformen zu betreffen. Diese ist insofern heikel, als die öffentliche Rüge hier einerseits eine sehr drastische Sanktion ist, die andererseits aber fast immer unangebracht ist. Müsste ein Porsche wie Brüderle nicht gerade im Umgang mit einem Fiat vor einer öffentlichen Demütigung zurückschrecken? Sollte er ihn nicht zur Not beiseitenehmen, um ihn sachlich und ohne Herablassung auf gewisse Standesunterschiede und ihre Konsequenzen hinzuweisen? Auch ein einfacher Fiat hat schließlich seinen Stolz.

Ein echter BMW, so darf man hoffen, würde das respektieren. Rainer Brüderle hingegen scheint in Fragen der Umgangsformen unter Automobilen allein dem freien Spiel der Kräfte zu vertrauen, das bekanntlich Wohlstandsgewinne und Porsche hervorbringt, sonst aber nicht viel. Vielleicht fehlt ihm Demut. Als Auto kann man schnell zum alten Eisen gehören. Und nicht nur vor dem Gesetz, auch vor der Schrottpresse sind alle Autos gleich.