Eine Bundestagswahl ist kein schlechter Anlass, um zur Abwechslung mal Fernsehen zu gucken. Besonders wenn man zur Gruppe "weiblich, 30, städtisch" gehört, die sich von den "Du"-, "Wir"- und "Mutti"-Slogans der Parteien nicht so wirklich angesprochen fühlt. Am Sonntag- und Montagabend wurde daher die ARD eingeschaltet, um sich von Merkel, Steinbrück, Brüderle, Trittin und Gysi in wichtigen Fragen überzeugen zu lassen. Zum Beispiel davon, dass es bei der Wahl eine Wahl gibt. Oder davon, dass unsere Volksvertreter uns vertreten. Oder es jedenfalls versuchen.

Dass die Spitzenkandidaten einer anderen Generation angehören, eine andere Sprache sprechen und wahrscheinlich öffentlich-rechtliches Fernsehen schauen – geschenkt. Aber dass Rainer Brüderle, Jürgen Trittin und Gregor Gysi beim Dreikampf auch noch von zwei männlichen Moderatoren befragt werden, ist für eine Frau um die 30 kaum mehr zu verstehen. Sie diskutieren über Geld – permanent und simultan –, doch die prägnante Botschaft ist das Bild: Drei weiße Männer um die 60 reden aufeinander ein, während zwei weitere Männer in ähnlichem Alter auf sie einreden. Immerhin erzählen sie ganz viel von Frauen, von unterbezahlten Friseurinnen. Oder so.

Wie gut kann es uns gehen, wenn sich der größte Streit um Pensionen dreht?

Womit wir bei den sogenannten Inhalten wären. Offenbar glauben unsere Politiker, dass wir uns nicht für Politik interessieren. Sondern für den Strompreis, den Zinssatz und die Haushaltsbilanz. Warum große Themen wie den Syrien-Krieg oder die NSA-Überwachung lange diskutieren, wenn man sich doch an der Rente abarbeiten kann? Warum Ideen für die Gesellschaft verbreiten, wenn technokratische Details ebenso gut die Sendezeit füllen? Immerhin haben sie an die Integrationspolitik gedacht – in Form der Pkw-Maut für Ausländer.

Deutschland, so die Kanzlerin und der Kandidat, gehe es gut. Doch wie gut kann es uns gehen, wenn sich der größte Streitpunkt an Pensionen entzündet? Ist das die einzige Zukunftsvision, die sie sich, uns und diesem Land zutrauen?

Es ist verständlich, dass die Anliegen von Rentnern wichtige Anliegen sind. Und dass die Parteien und Fernsehsender, die um die Mitte buhlen, diese Mitte zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr verorten. Es ist auch okay, dass sie nicht alle Gruppen gleichzeitig bedienen. Nicht okay ist, dass sie 18,1 Millionen Wahlberechtigte unter 40 Jahren komplett ausblenden.

Was haben wir vom TV-Duell und vom Dreikampf gelernt? Dass wir weder im Zuschauer- noch im Wählervolk vorkommen. Was können wir dagegen tun? Weniger fernsehen. Und wählen gehen.