Über die Zukunft der deutschen Energiewende entscheidet vieles: die Entwicklung der Mineralölpreise, der Druck diverser Lobbys, die Entschlossenheit der nächsten Regierung und – das Ausland. Erstens weil die Deutschen das Ziel, die Erderwärmung auf ungefähr zwei Grad zu begrenzen, schon wegen ihres geringen Anteils an den globalen Emissionen unmöglich allein erreichen können. Und zweitens weil Wettbewerbsverzerrungen drohen, wenn zwar hierzulande die Wende hin zu den grünen Energien versucht wird, anderswo aber weiter gewirtschaftet wird wie bisher.

Deshalb folgte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) einem richtigen Impuls, als er am 1. Juni den Club der Energiewende-Staaten gründete. Dem Zusammenschluss gehören bisher zehn Nationen an, darunter die Volksrepublik China ebenso wie das vom Anstieg des Meeresspiegels bedrohte Königreich Tonga. Er hat das Ziel, den Einsatz grüner Energien "bestmöglich" auszubauen.

"Wir wollen als Verteidiger und Verwirklicher der erneuerbaren Energien auf globaler Ebene auftreten", versprach Altmaier bei der Gründungszeremonie des Clubs.

Nun ist seine Initiative zum ersten Mal von Fachleuten gewürdigt worden – mit einem ernüchternden Ergebnis: Die Idee sei zwar löblich, doch erfülle der Altmaier-Verein die Kriterien für einen wirkungsvollen Club "noch nicht", heißt es in einer 40-seitigen Expertise des World Resources Institute (WRI).

Dass die Studie wenige Wochen vor der Bundestagswahl präsentiert wird, kommt nicht von ungefähr. Bestellt hat sie die Bundestagsfraktion der Grünen. Deren klimapolitischer Sprecher Hermann Ott hält den von Altmaier gegründeten Zusammenschluss lediglich für eine "Alibiveranstaltung". Gegenwärtig wäre Deutschland nicht einmal in der Lage, die Mitgliedskriterien eines ambitionierten Klimaclubs zu erfüllen, sagt Ott.

Was "ambitioniert" wäre, das ist der Kern der WRI-Expertise. Zehn Kriterien sollten die Mitglieder eines schlagkräftigen Clubs erfüllen, schlägt das Washingtoner Institut vor, nicht alle schon zum Zeitpunkt des Eintritts, aber doch nach und nach, einem festgelegten Zeitplan folgend. Dazu gehört zum Beispiel das Ziel eines mindestens 40-prozentigen Anteils erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung bis 2030, dazu eine Strategie, um die Nutzung von Kohle und Kernenergie bis zum Jahr 2035 zu beenden, und das Versprechen, sämtliche Subventionen für fossile und nukleare Energien bis 2017 abzuschaffen.

All solche Kriterien fehlen jedoch Altmaiers Verein. In der schriftlichen Antwort auf eine Bundestagsanfrage der Grünen ließ die Regierung vor Kurzem sogar unmissverständlich wissen: "Es ist derzeit nicht geplant, dass sich die Mitglieder des Clubs explizit auf Klima- und Energieeffizienzziele einigen."

Deutschland, heißt es in der WRI-Studie, gelte zwar international als führend bei grünen Technologien. Es drohe aber der Verlust dieser Führungsrolle – unter anderem, weil im vergangenen Jahr der Treibhausgasausstoß wieder angestiegen sei. Um sich glaubwürdig für einen ambitionierten Klimaclub starkmachen zu können, müsse die zukünftige Bundesregierung ein Klimaschutzgesetz mit verbindlichen Zielen schaffen, ihr Bekenntnis zu den grünen Energien erneuern und in puncto Energiesparen mehr unternehmen.

Geschieht das nicht, bleibt Altmaiers Energiewende-Club wohl nur ein unverbindliches Dialogforum, eine von mehr als einem Dutzend Initiativen und Allianzen. Sie alle haben laut World Resources Institute eins gemein: Veränderungen, die ausreichen würden, um den Klimawandel nachhaltig zu begrenzen, haben sie nicht zustande gebracht.