Als sich die Nationalspieler nach dem vergangenen Bundesligawochenende von ihren Spielkameraden verabschiedet haben, um in den bevorstehenden Qualifikationsspielen ihr Land zu vertreten, mag die Verabschiedung herzlicher ausgefallen sein als üblich. Schließlich ist nicht gewiss, wen sie bei ihrer Rückkehr als Spindnachbarn vorfinden. Oder ob sie gar selbst andernorts einen Schrank beziehen, wie das Beispiel des wohl spektakulärsten Last-Minute-Spindwechslers Mesut Özil zeigt.

Am 2. September hat die Bundesliga ihre Transferphase beendet. Der 31. August ist eigentlich das neuralgische Datum für Bundesligamanager, die am Tag danach für gewöhnlich sogleich ihren Urlaub antreten. Doch der 31. August fiel diesmal auf einen Samstag, und so hat die DFL den umtriebigen Spielerhandel noch um zwei Tage verlängert und damit vor allem den ersten Krisenclubs der Jubiläumssaison zugestanden, weitere 48 Stunden am bedürftigen Kader nachzubessern.

Den Coup dieser finalen Einkaufsphase hat der FC Schalke mit der Verpflichtung des aggressive leader Kevin Prince Boateng gelandet. Die Mittel für den "oscarreifen Transfer" (Schalke-Manager Horst Heldt) erspielte sich der FC Schalke erst am 28. August, durch das Erreichen der Champions-League-Gruppenphase. Während sich die Gelsenkirchner durch die Quali quälten, schoss der Prinz seinen AC Mailand gleichfalls in den lukrativen Königswettbewerb.

Etwa zur gleichen Zeit bekannte Boatengs neuer Mitspieler Dennis Aogo seine Verbundenheit zum Hamburger SV, ehe ihm der Club, in dessen Trikot er dem FC Schalke am ersten Spieltag noch einen Punkt abtrotzte, einen saisonalen Ausflug nach Gelsenkirchen nahelegte. Der VfB Stuttgart hingegen hat in der allerletzten Minute die Qualifikation für den europäischen Wettbewerb und damit eine komfortable Finanzplanung für diese Saison verpasst. Und kurzerhand seinen Kapitän Serdar Tasci gewinnbringend nach Moskau und in ein neues Fußballerleben beordert.

Die Zielsetzung aller Clubs, ihre Planung möglichst früh im Jahr abgeschlossen und das beste Personal im Sinne einer strategischen Entwicklung der Mannschaft an sich gebunden zu haben, wird jährlich vom hektischen Sommerschlussverkauf konterkariert. Sorgfältige Karriereplanungen werden ebenso über den Haufen geworfen wie saisonvorbereitende Teambildung.

Ob die Vereine, die zu Saisonbeginn gegen einen FC Schalke ohne Kevin Boateng antreten durften, begünstigt sind, wird der Saisonverlauf zeigen. Aber im Fußball gleicht sich ja alles aus, heißt es. Und die nächste Transferperiode beginnt am 1. Januar.