Am Montag wurde in der Ständigen Vertretung, einer rheinischen Touristenfalle in Berlin-Mitte, das Buch Was würde Bebel dazu sagen? vorgestellt. Der Untertitel heißt Zur aktuellen Lage der Sozialdemokratie und der erste Autor Willy Brandt. Ist der nicht tot? Als zweiter schreibt Egon Bahr – ist der nicht 91? Als vierter Günter Grass – hat der nicht Bebel noch persönlich die Welt und die SPD erklärt, vor mindestens 100 Jahren? So aktuell kann die Lage der SPD also gar nicht sein, wie das Buch behauptet. Was wohl Bebel dazu sagen würde?

Zur Beruhigung jedweder Aktualität tragen in dem Buch auch der Ex-Parteivorsitzende Hans-Jochen Vogel (87), die Ex-Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts Jutta Limbach (79), der scheidende Vize-Präsident des Bundestages Wolfgang Thierse (69), die Neo-Feminismus-Verächterin Alice Schwarzer (70), die ewige Edelgard Bulmahn (62), der Undercover-Rentner Günter Wallraff (70), der programmatische has-been Michael Sommer (61) sowie manch anderer Autor bei, von dem man bis dato gar nicht wusste, dass er unter Aktualitätsverdacht steht. Schön auch, dass die Herausgeber mit der 39-jährigen Manuela Schwesig eine SPD-Beton-Sprechmaschine gefunden haben, die sich 70 Jahre älter anhört als ihre Co-Autoren Ex-Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye (72) und Ex-Familienministerin Renate Schmidt (69) zusammen. Und mit Sascha Vogt (33) einen Juso-Chef mit schütterem Haar. Aktuell ist das neue Alt. Mit uns zieht die neue Zeit.