Als Feuerwehrmann ist Stephen Elop nicht zu gebrauchen. "Eine brennende Ölplattform" nannte der Vorstandschef den finnischen Handyhersteller Nokia, zu dessen Sanierung er im Herbst 2010 angetreten war. Nach drei Jahren beendet Elop die Löscharbeiten – weil so gut wie alles heruntergebrannt ist. Was von dem stolzen finnischen Nationalsymbol noch übrig ist, wird nun zum Großteil verkauft: an den Softwarekonzern Microsoft.

In der Nacht zum Dienstag gaben beide Unternehmen bekannt, dass Microsoft 5,5 Milliarden Euro an Nokia zahlen werde. Dafür erhalten die Amerikaner das Handygeschäft der Finnen und dürfen deren Mobilfunkpatente langfristig nutzen. Knapp die Hälfte des jährlichen Umsatzes und 32.000 Angestellte wechseln von Nokia zu Microsoft.

Für Nokia ist das eine Niederlage. Für Vorstandschef Elop könnte sich der Deal jedoch als Glücksfall herausstellen – er empfiehlt sich damit für den Spitzenjob bei Microsoft, einem, gemessen am Börsenwert, immerhin 20-mal größeren Konzern.

"Um den Eindruck eines möglichen Interessenkonflikts bis zum Abschluss der Transaktion zu vermeiden, wird Stephen Elop als Präsident und Vorstandschef von Nokia zurücktreten", teilten die Finnen beiläufig mit und sprachen damit den interessantesten Aspekt des Deals an: die stets unklare Rolle Elops. Der 49-jährige Kanadier war der erste Nichtfinne an der Spitze des bald 150 Jahre alten Konzerns, der in seiner Geschichte schon Gummistiefel und Fernsehgeräte hergestellt hatte. Als Elop antrat, steckte Nokia in seiner schlimmsten Krise und verlor rasant Marktanteile gegen Apple und Samsung, die mit ihren neuen Smartphones dem ehemaligen Weltmarktführer aus Espoo den Rang abliefen.

Schon damals wunderten sich viele Mitarbeiter in Finnland, dass ausgerechnet ein Microsoft-Manager sie retten sollte. Elop hatte bei dem US-Konzern bis dahin die wichtige Abteilung für Geschäftskunden geleitet. Microsoft-Kollegen beschrieben ihn damals als fähige und ambitionierte Führungskraft. Schnell kamen in Espoo Gerüchte auf, mit dem Amtsantritt Elops werde eine schleichende Übernahme durch Microsoft vorbereitet. Unter Elop wurde Nokia jedenfalls ständig billiger, der Aktienkurs hatte sich zwischenzeitlich mehr als halbiert.

Elop hat derartige Gerüchte stets dementiert. Zu einer möglichen Übernahme befragt, antwortete er noch zu Beginn dieses Jahres im Interview mit der ZEIT: "Nein, darüber wurde nie gesprochen." Microsoft sei keineswegs an sämtlichen Geschäftsfeldern Nokias interessiert, sagte er, "insofern ist eine Zusammenarbeit das Beste für die Zukunft". Ob Nokia Ende des Jahres 2013 noch ein unabhängiges Unternehmen mit ihm als Vorstandschef sei? Elops Antwort: "Das hoffe und erwarte ich."

Knapp neun Monate sind seit diesen Äußerungen vergangen, und man kann nur spekulieren, was damals geplant war, gewollt oder erhofft wurde. Aus heutiger Sicht hat Elop jedenfalls nicht einmal gelogen – Microsoft kauft Nokia nicht komplett. Die Netzwerktechnik, Zehntausende Patente und eine ausgefeilte mobile Landkarten-Technologie verbleiben bei Nokia, das auch als Unternehmen nicht aufhört zu existieren.

"Wir glauben, dass die Transaktion der beste Weg für Nokia und seine Anteilseigner darstellt", sagt Risto Siilasmaa, der als Interimschef die Geschäfte führt. Aus Sicht der Aktionäre scheint das zu stimmen, der Aktienkurs machte jedenfalls einen gewaltigen Sprung nach oben. Dem "Trauerspiel", so die Norddeutsche Landesbank, habe Nokia "ein schmerzhaftes, aber gerade noch rechtzeitiges Ende gesetzt".