Ich habe die ersten 30 Jahre meines Lebens in Manhattan verbracht. Und als ich dann schließlich die Stadt verließ, ist mir etwas Wesentliches an New York aufgefallen: Ich war zwar damit aufgewachsen, die enorme Energie dieser Stadt jederzeit anzapfen zu können – nur würdigen konnte ich dieses Prinzip erst, als ich fortzog. Plötzlich musste ich eine Strategie finden, um mich selbst anzutreiben. Das war gar nicht so leicht.

Diese Energie New Yorks ist es auch, die mich immer wieder hierher zurückkehren lässt. Ich lebe heute zwei Stunden von der Stadt entfernt im Hudson Valley, aber ich bin fast jede Woche in Manhattan, meistens um zu arbeiten. Manchmal komme ich auch einfach nur, um in die Oper zu gehen oder um Galerien zu besuchen. Oder ich mache einen kleinen Streifzug durch das Metropolitan Museum, wie ich es schon als Teenager getan habe. Es zieht mich dort übrigens immer wieder zum Gubbio Studiolo, einem Wunderwerk der Renaissanceschnitzerei. Ich werde wohl nie müde, es mir anzusehen, immer und immer wieder. Ob es aus der Vergangenheit etwas gibt, was ich an New York vermisse, wenn ich nicht dort bin? Ja, ganz schrecklich sogar, ich vermisse Le Cheesecake Elegant, dort gab es den besten Käsekuchen, den ich jemals gegessen habe. Überhaupt mag ich es, in New York zu essen, das Frühstück im Café Sabarsky, ein Dinner in einem der vielen Omakase-Sushi-Restaurants, in denen der Sushimeister die Auswahl für einen zusammenstellt.

Aber der größte Kitzel besteht für mich immer noch darin, einfach durch die Straßen zu gehen, mich treiben zu lassen, alles anzugucken. New York lädt meine Batterien mit seiner Energie auf. In vielen anderen amerikanischen Orten wird man als Außenseiter betrachtet, wenn die Familie nicht seit zwei Generationen dort lebt. Nicht so in New York. Wenn du gut in etwas bist, bist du hier willkommen.