Um Vito Schnabel zu treffen, geht man am besten an einem beliebigen Abend ins Carbone im West Village. "Ein Italiener wie aus einem Mafiafilm", so beschreibt er das Restaurant, dessen Stammgast und Teilhaber er ist. Außer dass sich hier keine Mafiabosse treffen. "Das Essen ist so gut, dass ich jeden, den ich kenne, nur noch dorthin einlade." Die Küche, die Einrichtung, der Service – alles wirkt wie aus einer vergangenen Ära, in der Gangster sich als Gentlemen gaben.

Wer Vito Schnabel an einem der Tische mit den weißen Tischtüchern sitzen sieht, umringt von seinen Freunden, der begreift ziemlich schnell, warum Schnabel einmal gesagt hat: "Es ist nichts Schlechtes daran, zu meiner Familie zu gehören." Vito ist der Sohn des Malers und Filmemachers Julian Schnabel und dessen Exfrau, der Modedesignerin Jacqueline Beaurang. Schnabel senior ist inzwischen mit einem dänischen Unterwäschemodel zusammen. Vito und seine Schwestern Stella und Lola wuchsen mit den Privilegien von Kindern berühmter Eltern auf: Besuch der Privatschule St. Ann’s, die auch der Designer Zac Posen und die Schauspielerin Jennifer Connelly besucht haben. Außerdem: Weltreisen, die Bekanntschaft mit der New Yorker Gesellschaft. Bis heute lebt Vito Schnabel in einem Apartment im Palazzo Chupi, einem zwölfstöckigen, unübersehbaren, weil pinkfarbenen Gebäude, das sich sein Künstler-Vater als Monument mitten ins West Village gebaut hat. Sohn Schnabel hatte zwei Möglichkeiten: Entweder er geht einen anderen Weg. Oder, was die größere Herausforderung ist, er geht einen ähnlichen. Vito wurde Kunsthändler. Seine erste Ausstellung organisierte er mit 16, heute, mit 27, vertritt er etablierte Künstler wie Terence Koh und Laurie Anderson. Wenn er auf der Art Basel Miami Beach einlädt, stehen auf der Gästeliste neben Naomi Campbell der Baseballstar Alex Rodriguez von den New York Yankees und der schwerreiche Kunstsammler Alberto Mugrabi.

Vito Schnabel hat zwar keine eigene Galerie, doch sein Talent, die Kunst in großem Stil zu inszenieren, veranlasste den New York Observer dazu, den jungen Mäzen als "Jay Gatsby der Kunstszene" zu bezeichnen. Das Gerücht, er sei der neue Begleiter von Demi Moore, schadet diesem Ruf mit Sicherheit nicht. Die Herkunft, das Ego, die Show – das alles macht ihn zum perfekten Förderer der jungen New Yorker Kreativen. Diese "Haute Bohemians", wie sie genannt werden, machen alle ein bisschen alles, in Kunst, Musik, Schauspiel, allerdings mit dem Verständnis, es auch wirklich zu können. Warum dann also nicht auch ein Restaurant haben? Es versteht sich fast von selbst, dass Vito Schnabel die Kunst im Carbone selbst ausgesucht hat.