Der Sommer neigt sich unübersehbar dem Ende zu. Bald dürfte Schluss sein mit Sonnenschein und warmen Temperaturen, und damit das auch jeder merkt, gibt es den Sommerschlussverkauf. Zu erkennen ist er an den vielen großen roten Schaufensterschildern, auf denen das englische Wort "Sale" steht. Was uns das sagt? Genau: Im Laden wird tatsächlich etwas verkauft, was, volkswirtschaftlich betrachtet, ja durchaus wünschenswert ist.

Der Sommerschlussverkauf ist manchmal durch den vorangestellten Zusatz "Summer" gekennzeichnet, was ihn vom vorangegangenen "Mid Season Sale" und dem unmittelbar folgenden "Pre Fall Sale" abgrenzt. Früher waren derartige Schlussverkäufe sehr seltene und zeitlich begrenzte Rabattaktionen, mittels derer die Händler versuchten, ansonsten unverkäufliche Restbestände aus ihren Lagern zu bekommen. Seit einer Liberalisierung des Wettbewerbsrechts vor gut zehn Jahren findet "Sale" aber das ganze Jahr lang und praktisch überall statt, was sehr viel über die Sortimentsplanung und Lagerhaltung hiesiger Handelsunternehmen sagt. Offenbar werden in den Lagern ausschließlich unverkäufliche Restbestände aufbewahrt. Oder handelt es sich bei dem "Sale"-Geschrei etwa um eine plumpe Lüge – jedenfalls was außergewöhnlich niedrige Sonderpreise angeht?

Gleich mehrere Leser dieser Kolumne haben sich über den Begriff "Sale" aufgeregt, und ich finde, sie haben recht, und zwar aus drei Gründen: Zum Ersten verliert "Sale" durch die inflationäre Verwendung seinen Charakter als Hinweis auf einen Ausnahmezustand. Zum Zweiten schimpfen viele über den Einzug von Denglisch in deutsche Einkaufsstraßen, was bewiesenermaßen zahlreiche Stilblüten mit sich bringt. Zum Dritten jedoch: Wer sagt, dass es sich überhaupt um eine englische Vokabel handelt? Franzosen dürften sich jedenfalls wundern, warum wir auf unsere Schaufenster schreiben, dass die Läden schmutzig seien. Sale menteur nennen unsere Nachbarn den dreckigen Lügner. Und vielleicht haben wir hier auch die richtige Antwort auf die Frage gefunden, was es mit den vermeintlich niedrigen Sonderpreisen auf sich hat.