Das Treppchen ist nah, wie es im Sport heißt, und der vierte Platz ist alles andere als undankbar. Hinter den kleinen Ländern Schweiz, Singapur und Finnland ist Deutschland im neuesten Ranking des World Economic Forum die Nummer vier – und damit das Land, das unter den großen Volkswirtschaften im weltweiten Wettbewerb am besten besteht.

Ein etwas tieferer Blick in die Analyse des Forums zeigt zweierlei: Erstens ist es nicht nur das Verdienst der Politik, sondern mehr noch das der Bürger. Zweitens kann der Erfolg auch schnell wieder vergehen.

Die Bürger sind das ökologische Gewissen des Landes, als Unternehmer und Angestellte sorgen sie dafür, dass Innovationen schnell umgesetzt werden. Und oft nehmen sie ihr Schicksal selbst in die Hand.

Ein Beispiel: Am schlechtesten schneidet Deutschland bei der Flexibilität des Arbeitsmarktes ab. Platz 113. Katastrophe. Tatsächlich aber sorgen Arbeitnehmer und Arbeitgeber in den einzelnen Betrieben des Mittelstandes dafür, dass die Firmen auf nahezu jede Marktentwicklung schnell reagieren können. Im Boom legen sie Extraschichten ein und sparen Überstunden an, in der Flaute leben sie davon. Der Bürger ist in dem Fall einfach besser als die formalen Gesetze – und als das Ranking, das darauf fußt.

Als Vorbild der Welt gilt Deutschland dagegen bei der Verkehrsinfrastruktur: Straße, Schiene, Wasser, Luft. Doch ob nun im Rheintal oder in Berlin: Große Bauvorhaben stocken. Und in vielen Teilen des Landes fehlt derzeit einfach das Geld, um im Kleinen zu teeren, zu baggern und zu bauen.

Diese Stärke droht sich also in eine Schwäche zu verwandeln. Auf einem anderen Feld ist Deutschland zwar etwas besser geworden, aber im Weltmaßstab weiterhin zweite Wahl: bei der Bildung in Schulen und Universitäten. Vor allem bei den Kleinen muss das Land der Dichter und Denker kräftig aufholen.

Beides, Infrastruktur und Bildung, Straßen und Schulen, bedarf neuer Investitionen. Und da kommt die Politik doch wieder ins Spiel. Derzeit wird das Geld eher für Geschenke benutzt. Fürs Betreuungsgeld etwa, um ein neues Beispiel zu nehmen. In den Wahlprogrammen stehen noch viele solche Präsente.

Nach der Bundestagswahl muss Deutschland seinen Erfolg verteidigen, sonst rückt das Treppchen bald wieder in die Ferne.