Eine Bankbilanz zeigt auf der rechten Seite (Passiva), woher das Geld kommt, mit dem die Bank Geschäfte macht. Die linke Seite (Aktiva) zeigt, was die Bank mit dem Geld anstellt. Ein Beispiel: Auf der rechten Seite steht, wie viel Geld die Kunden auf den Konten der Bank deponieren (Einlagen). Solange sie dieses Geld nicht abheben, kann die Bank damit arbeiten. Unter anderem vergibt sie – gegen Zinsen – Kredite. Diese stehen dann als Forderungen an Kreditnehmer auf der linken Seite der Bilanz.

Bilanz

Aktiva

Kredite: 40 Mrd.

Staatsanleihen: 20 Mrd.

Wert- und Handelspapiere: 20 Mrd.

Derivate: 20 Mrd.

Bilanzsumme: 100 Mrd.

Aktiva

Auf der Aktiv-Seite der Bilanz steht, was die Bank mit ihrem Geld macht, zum Beispiel ein Kredit, den sie vergibt, oder ein Wertpapier, das sie kauft. Bezahlt der Schuldner den Kredit nicht zurück oder verliert das Papier an Wert, macht die Bank Verlust. Ein Posten in dieser Spalte ist dann weniger wert. Bei Ausbruch der Finanzkrise merkten Banken: Bei einigen Posten kennen wir den Wert gar nicht. Manche Papiere wurden nur selten gehandelt. Es war wie auf einem Marktplatz, auf dem gerade keiner mehr Orangen kauft: Ein Obsthändler kann dann zwar einen Preis für Orangen auf sein Schild schreiben, doch er weiß nicht, ob er ihn bekommt. Banken versuchen in dem Fall, den Wert über Vergleichs- oder Modellrechnungen zu ermitteln. Experten befürchten, dass viele Banken dabei die Zahlen schönen – und Verluste machen werden, wenn sie diese Aktiva einmal verkaufen. Welche Geschäfte eine Bank macht und wie viel davon, dem setzt das Eigenkapital Grenzen, das Geld also, das zum Ausgleich von Verlusten herhalten muss.

Kredite

Geld zu verleihen ist eine der wichtigsten Aufgaben einer Bank. Privatkunden benötigen Kredite, wenn sie Häuser bauen oder Autos kaufen wollen. Und Unternehmen brauchen sie, um neue Produkte entwickeln oder Fabriken errichten zu können. Ohne Kredite gibt es also weniger Arbeit und weniger Wohlstand. Auch deshalb retteten viele Regierungen 2008 die Banken ihrer Länder.

Regulierung:

Die Europäische Zentralbank wird demnächst alle Kredite in den Bilanzen der großen Banken genau prüfen und fragen: Wie wahrscheinlich ist es, dass diese Kredite auch zurückgezahlt werden? Sollte die Wahrscheinlichkeit niedriger sein als bisher gedacht, müssen die Bankeigentümer mehr eigenes Geld in die Bank stecken. Der Grund: Fällt ein Kredit aus, macht die Bank einen Verlust – und dafür haftet sie mit ihrem Eigenkapital, das vor allem von den Eigentümern kommt. Ist zu wenig Eigenkapital da, geht die Bank pleite.

Staatsanleihen

Staaten finanzieren sich nicht nur über Steuern, sondern sie leihen sich auch Geld bei Banken, Großinvestoren und Sparern. Im Gegenzug zahlen sie den Gläubigern Zinsen und geben ihnen Anleihen – Wertpapiere, die meist mehrere Jahre laufen.

Regulierung:

Als es 2012 einen Schuldenschnitt für Griechenland gab – dem Land sollten rund 50 Prozent seiner Schulden bei privaten Gläubigern erlassen werden –, kostete das deutsche Finanzhäuser mehr als zehn Milliarden Euro. Die Deutsche Bundesbank dringt daher darauf, dass Banken, die in Staatsanleihen investieren, künftig Geld zurücklegen müssen – für den Fall, dass sie Verluste machen. Viele Staaten befürchten aber, dass ihnen Banken dann in Zukunft weniger leihen. Zugleich haben die Staaten ein Interesse daran, dass Banken ihr Geld vorsichtiger verleihen. Ein Dilemma.

Wert- und Handelspapiere

Eine Bank handelt mit Aktien, Anleihen und Papieren. Sie tut dies im Auftrag von Kunden, kann aber auch auf eigene Rechnung spekulieren, um Gewinne zu machen. Den Wert dieser Aktiva zu ermitteln kann schwierig sein.

Regulierung:

Handel mit Wertpapieren kann zu hohen Verlusten führen und die Existenz einer Bank gefährden – dann besteht die Gefahr, dass Einlagen der Kunden nicht oder nur teilweise ersetzt werden. In Großbritannien, den USA und in der EU diskutieren die Regulierer daher ein "Trennbankensystem": Banken sollen den Wertpapierhandel organisatorisch vom Geschäft mit Kundeneinlagen und Krediten trennen. In Deutschland gibt es schon ein entsprechendes Gesetz.

Derivate (aktiv)

Derivate sind komplexe Finanzprodukte, mit denen Banken spekulieren oder sich gegen Zins- oder Währungsrisiken absichern.

Regulierung:

Meldepflichten und mehr Standardisierung machen den Markt transparenter.

Bilanzsumme

Alle Aktiva zusammen ergeben die Bilanzsumme. Sie zeigt, wie viel Geschäft eine Bank macht und wie groß sie ist. Die Summe aller Aktiva muss genauso hoch sein wie die Summe aller Passiva – denn jeder Euro, mit dem die Bank Geschäfte macht, muss irgendwo herkommen.

Regulierung:

Große Banken galten in der Krise oft als "zu groß, um fallen gelassen zu werden" – und wurden daher gerettet. Ein Problem: Wie groß die Banken wirklich sind, wo in ihrer Bilanz noch Risiken stecken und wie groß diese Risiken tatsächlich sind, lässt sich international nur schwer vergleichen. So gelten in den USA zum Beispiel andere Bilanzierungsregeln für Derivate als in der EU. Deshalb lässt sich nicht sagen, ob die Deutsche Bank größer und potenziell gefährlicher ist als JPMorgan Chase, auch wenn ihre Bilanzsumme mit 1910 Milliarden Euro (umgerechnet gut 2500 Milliarden Dollar) größer ist als die der amerikanischen Bank mit aktuell 2431 Milliarden Dollar.