Jetzt, da alle Welt davon ausgeht, dass Angela Merkel Kanzlerin bleiben wird – sei es mit gelben, roten oder grünen Partnern –, drängt sich die Frage auf: Was hat diese Frau dem Land bisher gebracht?

Und aus aktuellem Anlass: Was kann sie dieser Republik bringen in den nächsten Jahren – seien es vier oder (bei einem vorzeitigen Rückzug) zwei.

Viele Bürger denken, sie wählten Kontinuität, wenn sie für Merkel stimmen. Doch das trifft nicht zu. Man merkt es auch jetzt schon, an ihrem zusammenbrechenden Wahlkampf oder an ihrer Orientierungslosigkeit in der Syrien-Frage.

Was die Kanzlerin tun kann oder tun will (und hoffentlich gibt es zwischen Wollen und Können bei ihr noch einen Unterschied), hängt von der Konstellation ab, in der sie jeweils regiert. Und schon da ist heute erkennbar: Schwarz-Rot wird nicht mehr so werden, wie Schwarz-Rot einst war. Für Schwarz-Gelb gilt das ganz ähnlich. Und eine Koalition mit den Grünen würde sie vor ganz neue Aufgaben stellen (siehe Seite 3).

Emanzipiert von rücksichtslosen Strategie-Spielen

Was macht das schon, könnte man einwenden, die Koalitionen wechseln, die Kanzlerin bleibt. Und damit auch ihr Charakter, den wir Bürger inzwischen ganz gut kennen, ihre Methode, die uns fast schon selbst in Fleisch und Blut übergegangen ist: Vielleicht immer etwas zu wenig Streusel, also kaum Rhetorik, wenig Wärme, null Pathos und ein absolutes Minimum an Programmatik – aber auch daran haben wir uns ja gewöhnt. Warum also nicht einfach "same procedure as in the last eight years"?

Weil im Falle ihrer Wiederwahl wenig so bleiben wird, wie es jetzt ist, vor allem eines nicht: sie. Sie wird die Gleiche sein, aber anders – "same same, but different". Merkels wichtigste Wahlslogans sind: "Sie kennen mich" und "Wir werden das prüfen". Sie signalisieren ein Versprechen auf Kontinuität, das die Kanzlerin nicht wird halten können.

Lassen Sie uns an dieser Stelle deshalb auch etwas prüfen: Was ist das Spezifische an der Merkelschen Politik? Und kann sie tatsächlich – etwa in den beiden großen E-Fragen Energie und Europa – so weitermachen wie bisher?

Diese Kanzlerin hat die Republik weder mit bestimmten Reformen noch mit einer weitblickenden Strategie geprägt. Womit sie das Land wirklich verändert hat – jetzt schon ihr historisches Verdienst –, das ist ihre Methode, ihr Stil, ihr Habitus, ihre Art, politische Macht auszuüben. Angela Merkel hat den Machiavellismus umgeschrieben. Sie hat, als erste Frau im höchsten Amt, Macht im postautoritären Deutschland neu definiert. Damit hat sie das Land modernisiert, sie hat in der Politik etwas durchgekämpft, was auch in anderen Teilen der Gesellschaft begonnen hatte – die Emanzipation vom Machiavellismus, also von den rücksichtslosen Strategiespielen mit allen Mitteln: Rache, Vernichtung, Demütigung, Selbsterhöhung.