Jedes dieser Leben ist ein Film. Was könnten Oliver Hirschbiegel oder Niki Stein hier für Stoffe finden – statt uns mit den immergleichen Melodramen über Rommel und Prinzessin Diana zu quälen.

Garibaldi, Louise Aston, der Fürst Lichnowsky, das sind nur drei von zwölf Akteuren eines Umbruchs, wie der Titel des Bandes lautet. Es ist ein ungewöhnliches Projekt, das unter der Federführung des Berliner Historikers Walter Schmidt da entsteht: Denn dieser Band ist bereits der vierte einer Reihe, welche die "Männer und Frauen der Revolution von 1848/49" in Biografien von jeweils vierzig bis fünfzig Seiten vorstellt.

Dabei geht es nicht um ein Walhall der (europäisch-)deutschen Demokratiegeschichte, sondern um ein Panorama der Epoche, das zu den Freiheitshelden auch ihre Gegner miteinbezieht. So steht neben dem Schicksal des eigenwilligen Berliner Utopisten und Anarchisten Heinrich Beta, der, als Küchenjunge verkleidet, aus Preußen nach England fliehen musste, der Aufstieg und Fall des Berliner Polizeidirektors Friedrich Wilhelm Duncker: ein "Polizeigenie", zugleich ein "skrupelloser Folterer", 1848 aus dem Amt gejagt, aber vom König bis zuletzt protegiert. Wieder anders das Lebensbild der Franziska Anneke aus Hattingen an der Ruhr, die für soziale Gerechtigkeit streitet, während der Kampagne für die Reichsverfassung 1849 an der Spitze der Republikaner bei Ubstadt ins Gefecht reitet und später in den USA zu einer gefeierten Protagonistin der Frauenbewegung wird.

Wissenschaftlich nüchtern berichten die Autoren, bis zur letzten Fußnote ohne Schmalz und Schmus. Und doch: Was für Leben finden sich hier, was für Bilder und Szenen!