Die preußischen Truppen, unterstützt von vielen Freiwilligen, zeigen starken Kampfeswillen. Patriotisch-nationale Flugschriften und Gedichte feuern sie an. Einige der Autoren, wie Ernst Moritz Arndt und der gern als "Turnvater" verharmloste Friedrich Ludwig Jahn, predigen den entfesselten Terror – nicht nur gegen Napoleon, sondern gegen das ganze französische Volk. Vor allem Arndt ergeht sich in monströsen Fantasien: "Ich will den Haß gegen die Franzosen, nicht bloß für diesen Krieg, ich will ihn für immer. [...] Dieser Haß glühe als die Religion des deutschen Volkes, als ein heiliger Wahn in allen Herzen und erhalte uns immer in unsrer Treue, Redlichkeit und Tapferkeit." Ein Teil der Romantiker schließt sich den nationalistischen Tiraden an. So ruft Friedrich Schlegel zu einem "gänzlichen Vernichtungskrieg" gegen die durch und durch "verderbte" französische Nation auf.

Am 4. Juni schließt Napoleon mit seinen Gegnern einen Waffenstillstand. Doch die ersten Erfolge trügen. Österreich tritt der russisch-preußischen Koalition bei. Damit verschiebt sich das Kräfteverhältnis zu Frankreichs Ungunsten. Schon am 17. August 1813 läuft der Waffenstillstand aus. Die verbündeten russischen, preußischen, österreichischen und schwedischen Truppen marschieren in drei Armeen auf: Die Hauptarmee (225.000 Österreicher, Russen und Preußen) steht im nördlichen Böhmen, die Schlesische Armee (105.000 Russen und Preußen) bei Breslau, die Nordarmee (125.000 Preußen, Russen und Schweden) bei Berlin. Napoleons Hauptkräfte befinden sich in Sachsen.

Die Hauptarmee wird von dem österreichischen Feldmarschall Carl Philipp Fürst zu Schwarzenberg befehligt, die Schlesische Armee von dem preußischen General Gebhard Leberecht von Blücher, die Nordarmee vom schwedischen Kronprinzen Karl Johann. Schwarzenberg ist gleichzeitig Oberbefehlshaber aller drei Armeen.

Während er noch wägt und sichtet, greift Napoleon am 26./27. August an: In der Schlacht bei Dresden besiegen seine Truppen die Hauptarmee. Seine Marschälle aber erleiden eine Schlappe nach der anderen: Just im selben Augenblick triumphiert Blüchers Schlesische Armee und macht 18.000 Gefangene. Am 29./30. August wird das Korps des Generals Dominique Vandamme beim Dorf Kulm in der Nähe von Teplitz zerschlagen und am 6. September bei Dennewitz nahe der Elbe die napoleonische Berlin-Armee, zu der auch die Truppen des immer noch mit Frankreich verbündeten Königreichs Sachsen gehören.

Jetzt rächt sich, dass Napoleon den Marschällen durch seinen despotischen Führungsstil jegliche Bereitschaft zu selbstständigem Handeln ausgetrieben hat. Generale wie Blücher, August von Gneisenau, Eugen von Württemberg oder Johann Graf Radetzky agieren 1813 wesentlich flexibler und wagemutiger als die sieggewohnten napoleonischen Granden. "Lebe wohl und sei vergnügt", beschließt Blücher bereits am 15. September einen Brief an seine Frau, "es wird alles gut werden. Napoleon ist in der Tinte."

Nur Schwarzenberg bleibt ein vorsichtiger Feldherr alter Schule. Obendrein reden ihm Zar Alexander I., Preußens König Friedrich Wilhelm und deren Berater ständig in seine Kommandoführung hinein. Er operiert deshalb nur zögernd. Ungeduldig geworden, reißen Blücher und sein Generalstabschef Gneisenau Ende September die strategische Initiative an sich. Die Schlesische Armee rückt von Bautzen aus nach Nordwesten vor. Am 3. Oktober überschreitet sie südlich von Wittenberg die Elbe und bedroht die rückwärtigen Verbindungen Napoleons. Bonaparte muss seine Truppen in Richtung Leipzig zurückziehen, die drei Armeen der Verbündeten folgen ihm.

Am Morgen des 16. Oktober ist die Stunde der Entscheidung gekommen. Die Verbündeten sind mit 206.000 Soldaten angetreten, Napoleon verfügt über 191.000. Seiner Armee gehören unter anderem noch 20.000 Soldaten aus den Staaten des Rheinbundes an sowie 11.000 Polen.

Südlich der Messestadt, bei den Dörfern Markkleeberg, Wachau und Liebertwolkwitz, lässt der Franzosenkaiser 138.000 Soldaten aufmarschieren. Ihnen stehen dort lediglich 100.000 Soldaten gegenüber. Und dennoch: Zur Überraschung Napoleons greifen die Alliierten an. Tatsächlich gelingt es ihnen, die Dörfer für kurze Zeit einzunehmen – bis alles in einem Gegenstoß von Napoleons Truppen zurückerobert wird. Gegen elf Uhr ist der Angriff der Verbündeten unter schweren Verlusten gescheitert.

Schon lässt Napoleon in Leipzig die Siegesglocken läuten

Napoleon aber kann die Situation nicht nutzen, da er auf das 20.000 Mann starke Korps des Marschalls Auguste Marmont wartet. Erst um 14 Uhr – von Marmont ist immer noch nichts zu sehen – beschließt er, zum Angriff auf die Hauptarmee anzusetzen. Der Vorstoß scheint erfolgreich. Napoleon lässt in Leipzig von den verbündeten Sachsen schon die Siegesglocken läuten.

Zu früh. Denn jetzt greifen zwei österreichische Divisionen ein, und gegen 16 Uhr wird klar: Napoleon ist zurückgeschlagen. Besonders großen Anteil an der erfolgreichen Verteidigung haben die russischen und preußischen Truppen unter dem Kommando des 25-jährigen russischen Generals Eugen von Württemberg, die vor Wachau im mörderischen Feuer ausharren. Napoleon ist wütend auf Marmont. Doch dessen Soldaten konnten ihm nicht zu Hilfe eilen, weil sie von Yorcks Korps angegriffen und in blutigen Kämpfen festgehalten wurden.

Eigentlich ist die Schlacht am Abend des 16. Oktober für Napoleon bereits verloren. Es gelang ihm nicht, im Süden die Linie der Hauptarmee zu durchbrechen, und im Norden wurde sein bestes Korps zerschlagen. 23.000 Männer sind gefallen oder verwundet, 2500 in Gefangenschaft geraten. Zudem ist ihm klar, dass die Verbündeten mit erheblicher Verstärkung rechnen können.

Auf der anderen Seite indes herrscht kein Jubel. Der Abwehrerfolg ist teuer erkauft: 38.000 Soldaten sind gefallen oder verwundet, 2.000 in Gefangenschaft. Immerhin trifft am Morgen des 17. Oktober die österreichische Armeeabteilung Colloredo mit 21.000 Mann ein, am Nachmittag stoßen die russische Reservearmee (34.000 Mann) und die österreichische Division Bubna (7.000 Mann) dazu. Auch rückt die Nordarmee weiter vor. Die Verbündeten verfügen jetzt über 295.000 Soldaten. Napoleon hingegen kann nur noch 160.000 Mann einsetzen. In der Nacht zum 18. Oktober zieht er seine Truppen näher an Leipzig heran. Sie stehen nun in einem weiten Halbkreis östlich der Stadt.