In Deutschland würden sie für so eine Sehenswürdigkeit schon auf der Autobahn Reklame machen und am Eingang einen bewachten Parkplatz und ein Kassenhäuschen errichten. Aber hier, an einer Kreuzung im Nirgendwo des Paradox Valley im US-Bundesstaat Colorado, gibt es nicht den kleinsten Hinweis darauf, dass diese Schotterpiste hineinführt in ein Wunder der Natur. Zum Glück kennt John Humphries von den Lizard Head Cycling Guides den Abzweig nach rechts an der Route 90, und so rolle ich auf dem geliehenen Giant-Trance-X3-Mountainbike hinter ihm hinein in den Paradox and Mesa Canyon.

Links und rechts wechseln die Felswände immer schneller die Farbe, von Gelb über Rot bis nach Schwarz; höher, steiler, schrundiger wachsen sie empor und nehmen den Dolores River zu meiner Linken und mich in die Zange. Zikaden zersägen die Wüstenluft, bis einem ganz wirr wird zwischen den Ohren. Aber eine Grenzerfahrung ist das allenfalls für mein Aufnahmevermögen, nicht für mein Rad.

Mühelos schlucken Vollfederung und gefederte Gabel jedes Schlagloch, das ich vor lauter Staunen übersehe, und auch das sonst so nervige Waschbrettpistengerüttel spüre ich kaum. Muss ich fürs nächste Foto plötzlich anhalten, packen die Scheibenbremsen verlässlich zu. Und wenn ich danach die Lücke zur enteilten Gruppe wieder zufahren will, minimiert der leichte, windschnittig geformte Alurahmen die Anstrengung. Oder ist es der Moriah, wie der Wind hier heißt, der mit der Kraft eine Riesenföns von hinten bläst?

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Gerade als die Hitze gar zu viehisch wird, trifft der Dolores auf den San Miguel River. Eine kleine Badestelle hat sich am Zusammenfluss gebildet, schilfumsäumt. Der knöcheltiefe Schlamm am Ufer überfordert jedes Rad; zu Fuß stapfen wir ans schnell fließende Wasser und waten hinein; eine grandiosere Gegenstromanlage nutzte ich nie. Derart erfrischt, finde ich den Namen meines Testobjekts gar nicht mehr großsprecherisch, sondern angemessen. Und selbst als es für einen letzten Blick auf dieses in Jahrmillionen in den Fels gefräste Spektakel noch einmal steil bergauf und gegen den heißen Wind geht, zum Aussichtspunkt an der Route 141, ist jeder Kilometer auf dem Trance wie fliegen.

Technische Daten

Rahmen: Aluminium
Reifengröße: 26 Zoll
Gewicht: 13,5 kg
Schaltung: 27-Gang-Kettenschaltung
Bremsen: Hydraulik-Scheibenbremsen
Basispreis: 1.399,90 Euro

Christof Siemes ist Kulturreporter und Redaktionsleiter ZEIT-App