Ihre Hoffnung ist jetzt die Krise. Die nächsten Rettungspakete für den Euro werden die Alternative für Deutschland (AfD) endgültig in die Parlamente spülen – so sieht es Bernd Lucke, der Parteisprecher. Und so sehen es viele in der jungen Gruppierung, die den Einzug in den Bundestag knapp verpasst hat.

Vorerst wird die AfD daher weniger mit der Zukunft des Euro als mit ihrer eigenen Zukunft beschäftigt sein. Den Bundestagswahlkampf konnte sie noch mit viel Improvisationsvermögen meistern – für dauerhafte Erfolge aber braucht sie ein solides Fundament. Die Partei müsse "gestärkt" in die nächsten Wahlkämpfe gehen, so Alexander Dilger, der Spitzenkandidat in Nordrhein-Westfalen.

Zu stärken gäbe es einiges. Die AfD hat kein ausgearbeitetes Programm, keine schlagkräftige Organisation und keinen personellen Unterbau. Dafür gibt es jede Menge Querulanten, die die Gelegenheit nutzen, um sich zu verwirklichen. Die AfD wäre nicht die erste Partei, deren Höhenflug ein plötzliches Ende nimmt, weil übereifrige Mitglieder auf schwache Strukturen treffen.

Allerdings ist Luckes Truppe nicht wie andere Protestparteien: Mögen sich an der Basis die Spinner tummeln, in der Führungsriege tun sie es nicht: An den entscheidenden Stellen in der Partei sitzen eher seriöse Wirtschaftsprofessoren, Publizisten und Unternehmer. Sie wissen, wie man führt und für Disziplin sorgt. Lucke selbst wird von den Mitgliedern geradezu vergöttert.

Zudem hat die Partei schon das nächste Ziel vor Augen: Im Mai kommenden Jahres stehen Europawahlen an. Für den Einzug ins Europäische Parlament reichen drei Prozent der Stimmen aus. Auch die Wahlbeteiligung ist in der Regel eher gering. All das spielt der AfD in die Hände. Im Sommer und Herbst finden dann Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg statt, in allen drei Ländern kam die AfD bei der Bundestagswahl auf mehr als sechs Prozent der Stimmen. Es könnte schon bald etwas zu verteilen geben, und das dürfte dem Zusammenhalt der Partei dienen.

Jetzt wird erst einmal an der programmatischen Ausrichtung gearbeitet. Die Partei richtet Fachausschüsse auf Bundesebene ein, und auch in den Landesverbänden wird diskutiert. Auf einem Parteitag im Dezember soll über das Programm abgestimmt werden. Lucke wehrt sich zwar gegen eine Verortung seiner Gruppierung im Rechts-links-Schema ("Wir sind die Partei des gesunden Menschenverstandes"), doch es zeichnet sich bereits ab, dass sie auf klassische konservative Themen wie Migrationsbegrenzung und Steuersenkungen setzt. Die AfD dürfte sich also rechts von der CDU positionieren. Lucke ist ein enttäuschter Unions-Anhänger und vermutet dort eine Lücke, die er füllen will.

Die Partei könnte sich so als eine Art rechte FDP etablieren und die Liberalen verdrängen. Das ist allerdings ein riskantes Unterfangen: Rechts von der Union ist die Gefahr groß, von extremen Kräften vereinnahmt zu werden, was wiederum das bürgerliche Lager abschrecken würde. In den Internetforen läuft bereits die Auseinandersetzung, wie weit künftig – wie es intern heißt – "brisante" Themen im Vordergrund stehen sollen.

Hier kommt nun die Krise ins Spiel. Denn die Euro-Rettungspolitik ist auch im gemäßigten Lager umstritten. Wenn die AfD hier Stimmen holen kann, kann sie sich stärker nach rechts abschotten und braucht so manche schwierige Programmdebatte vielleicht gar nicht erst zu führen.

Das funktioniert aber nur, wenn tatsächlich weiter gerettet wird – wenn also demnächst wieder Steuergeld für marode Staaten und Banken ausgegeben wird. Sicher ist das nicht. Griechenland, Irland, Portugal dürften noch einmal auf Hilfe aus Brüssel angewiesen sein. Weil aber die Wirtschaft besser läuft, wird womöglich nicht sehr viel Geld fließen müssen. So ist das Schicksal der Euro-Skeptiker eng mit dem Schicksal des Euro verwoben.