Die Ruhe im idyllischen Klein Zecher ist dahin, seit eine junge Großbäuerin der 300-Seelen-Gemeinde in Schleswig-Holstein die Vorabgenehmigung erhielt, eine Biogasanlage im Dorf zu errichten. Inzwischen sind die Bauarbeiten bereits angelaufen. Der Betrieb einer solchen Biogasanlage ist – dank der üppigen Subventionen – viel rentabler, als einfach nur die Felder zu bestellen. Die Förderung durch das Erneuerbare Energien Gesetz, kurz: EEG, macht aus Ackerland eine Goldgrube – und aus Naturfreunden werden Wutbürger.

Die Bewohner von Klein Zecher, aber auch Dorfbesucher, die die Nähe zu Flora und Fauna schätzen, sind in Rage. Sie haben eine Bürgerinitiative gegründet, um das Projekt zu stoppen. Schließlich, so ihre Befürchtung, würden künftig schwere Lastwagen durch das Dorf und über die schmale Landstraße brettern: hin und zurück, rund 1000-mal pro Erntezeit. Auch durch die sehr schmale Hauptstraße des Nachbarstädtchens Zarrentin soll das Substrat für die Biogasanlage, vornehmlich Mais und Rübenschnitzel, aus dem angrenzenden Mecklenburg-Vorpommern herangeschafft werden. Deshalb bringen sich auch dort die Bürger in Stellung. Eine Bürgerinitiative warb in Geschäften und Restaurants per Unterschriftlisten erfolgreich um Mitglieder. Als einige Listen entwendet wurden, gerieten Befürworter der Biogasanlage in Verdacht. Geschäftsleute erstatteten Anzeige.

Der Streit eskalierte, als der Bürgermeister drastisch wurde

Die rund 100 Aktivisten und Unterstützer der Bürgerinitiative sehen nicht nur eine massive Minderung der Lebensqualität auf sich zukommen, sondern auch reale Wertverluste ihrer Immobilien. Die unmittelbar betroffenen Anrainer wollen nun privat klagen. "Denn der Wertverlust ist nicht von öffentlichem Belang", erklärt Günter Geschke, Mitglied der Bürgerinitiative.

Dabei wäre es beinahe noch gelungen, eine einvernehmliche Lösung zu finden. Die Idee war, die Biogasanlage vom Zentrum des Dorfes nach außerhalb zwischen Acker und Wald zu verlegen. Doch das stieß auf Widerstand der zuständigen Behörden. Das Dorf Klein Zecher liegt nämlich direkt am Rande eines Vogelschutzgebietes; hier nisten Kraniche, Reiher und Störche. Und die alternative Baustelle läge bereits innerhalb des Vogelreservats. "Vogelschutz ist laut Gesetz offenbar wichtiger als Menschenschutz!", kommentiert Geschke.

Der Streit eskalierte, als der Vater der Großbäuerin kürzlich ziemlich drastisch wurde. Als stellvertretender Bürgermeister ging er ein weibliches Gemeinderatsmitglied wegen ihres Widerstands gegen das Gasprojekt dermaßen an, dass die Betroffene Strafanzeige stellte.

Womöglich kommt für den Ort, der im Jahr 1996 als "Schönstes Dorf" im Kreis Herzogtum Lauenburg ausgezeichnet wurde, alles noch viel schlimmer. "Wenn die erste Biogasanlage steht und hohe Renditen abwirft, könnten die anderen drei Bauern des Dorfes vielleicht ja auch auf den Geschmack kommen", fürchtet Bürgerinitiativler Geschke.