Das größte Bundesland Österreichs besteht bekanntlich aus vier Vierteln: In Industrie-, Wald-, Wein- und Mostviertel leben fleißige Leute, die ihre Heimat den Früchten ihrer Arbeit gewidmet haben. Doch in den letzten Jahren hat sich der Verdacht verdichtete, es müsse da noch ein fünftes Viertel geben, eines, in das man nur sehr selten Einblick erhält und über das dementsprechend viele Gerüchte im Umlauf sind: das Kellerviertel. Ruchbar geworden sind in der jüngeren Vergangenheit das Kellerverließ, der Inzestkeller und nun auch der Waffen- oder Jägerkeller. Doch ganz gewiss bergen niederösterreichische Keller noch Geheimnisse sonder Zahl. Es ist ja ein mysteriöses Land, in dem sich viele magische Orte finden. Daher muss es sie auch geben: die Folterkeller, die Kellerkatakomben, die Sadomaso-Keller, die Hobbykeller für Bombenbastler, Giftmischer oder Teufelsanbeter und die Gewölbe, in denen sich die Kellernazis versammeln. Gar nicht zu reden von den vielen Leichen im Keller, die nach der besonders raffinierten Veranlagung von Steuergeldern unter dem Regierungsviertel von St. Pölten lagern. Und natürlich ganz zu schweigen von den ausgedehnten Kellerlandschaften, in denen die Ortsansässigen vor muffigen Holzbehältern ihre schwarzen Messen lesen, die für diese Region so typisch sind. Man muss sich ganz allgemein den Niederösterreicher als Kellerwesen denken, der unermüdlich sein gesamtes Siedlungsgebiet unterkellert, weil er seinen wahren Lebenssinn erst unter der Erde finden kann. Noch im finstersten Kellerloch weiß er Erfüllung für seine geheime Leidenschaften zu finden. Daher besteht Niederösterreich in Wahrheit nur aus einem Viertel: dem fünften.