Das, was bis vor einiger Zeit fast immer Stoffbänder waren, die mit einer Schere symbolisch durchgeschnitten wurden, sind heute sehr oft elektronische Knöpfe. Häufig sind sie rot, aber nicht immer, so wie man sie aus Fernseh-Spielshows kennt (in denen es zum Beispiel darum geht, als Erster zu wissen, welches Tier bei der EM 2008 als Wahrsager diente).

War das Bänderdurchschneiden als Eröffnungsritual noch von fast Queen-Elisabeth-haftem Ernst geprägt, ist das Knöpfedrücken für alle Beteiligten eine große Gaudi (die Bilder beweisen es). Die Technik des Bänderschneidens setzte eine gewisse Konzentriertheit voraus, schließlich hantierte der Eröffner mit einem meist flatterhaften Band, das sich nur durchtrennen ließ, wenn er die Schere einigermaßen senkrecht zum Band ansetzte. Und weil schlecht mehrere Menschen gemeinsam eine Schere halten können, war dieses Ritual eher eine One-Man-Show denn ein Gruppenvergnügen, wie es das Knöpfedrücken ist.

Wahrscheinlich sind die Knöpfe so beliebt, weil damit der Welt gezeigt wird, dass in dieser Firma/dieser Behörde der Teamgeist so was von munter herumspukt, dass sich andere Geister, der Unternehmergeist oder Erfindergeist zum Beispiel, fürchten müssten, wären Geister prinzipiell nicht eher als furchtlos bekannt.

FDP-Mitglied Guido Westerwelle drückt den roten Knopf bei einer Veranstaltung der Deutschen Bahn

Ein weiterer Vorteil des Knopfes ist es, dass er elektrisch betrieben wird und damit verrät, dass sein Bediener, was Technik anbelangt, vorn mitspielt. Willy Brandt wusste das bereits 1967, als er das deutsche Farbfernsehen startete. Ein Knopf, den er drückte, wechselte auf dem Bildschirm von grau nach rot, als der Kanzler sprach: "... gebe ich jetzt gewissermaßen den Startschuss für das Farbfernsehen." Er sprach von einem Startschuss, obwohl alle den Knopfdruck sahen. Brandt vermied die Rede vom roten Knopf wohl, weil der damals und noch bis zum Ende des Kalten Krieges als Metapher für das Starten eines Atomkriegs diente.

Heute ist diese gedankliche Verknüpfung passé, zumindest in den Köpfen der Öffentlichkeitsarbeiter um die 30, die sich so etwas ausdenken: Chefs in Krawatten, einander die Hände berührend wie beim Kinderspiel, ein tolles Pressefoto, das sowohl Seriosität als auch Lockerheit vermittelt. Wenn jetzt noch alle die gleichen Overalls trügen oder ein Plüschdrache auftauchte... aber nein, auf solch verrückte Ideen wird nie jemand kommen.