Zwei Männlein stehn im Walde. Oder vielmehr: in dem, was ein Großbrand davon übrig ließ. Triste Baumgerippe, feuchter Boden, brutale Einsamkeit – für Alvin, um die 40, Schnauzbart, Latzhose, ist diese Szenerie ein verlässlicher Fluchtort. Der stille Waldarbeiter nutzt die Wochen in der texanischen Natur, um neben der Arbeit (diese Saison: die Fahrbahn mit gelben Mittelstreifen versehen) zu lesen, Sprachen zu lernen, zu reflektieren – und dafür, schwülstige Briefe an seine Freundin zu schreiben. Doch nun soll Lance, der kleine Bruder dieser Freundin, ein gelangweilter Endzwanziger, der nur Partys im Kopf hat, ihn begleiten und droht den Luxus des Einsiedlertums zu stören.

Nicht viel mehr, aber auch nicht weniger als das Zusammentreffen zweier völlig unterschiedlicher Psychen bildet den Plot von Prince Avalanche, der preisgekrönten Komödie des amerikanischen Regisseurs David Gordon Green. Es ist die Geschichte einer unfreiwilligen Annäherung, eines scheiternden Versuches, aufgrund von Verschiedenheit lieber zusammen allein als gemeinsam zu sein – eine Distanzwahrung, die mitten im Nichts, zwischen endloser Straße, Campingkocher, Aufgusskaffee und geteilter Isomatte auf Dauer nicht aufrechtzuerhalten ist.

Als natürlichen, quasi organischen Prozess inmitten der großen Natur inszeniert Green das widerspenstige Zusammenspiel dieser Männer. Unmerklich schleicht sich in die ruppige Wortlosigkeit beim Arbeiten so etwas wie liebevolle Routine, und plötzlich sind sie eben doch eine Einheit: der grüblerische Alvin ("Ich ernte die Früchte der Abgeschiedenheit", kontraintuitiv besetzt mit dem Komiker Paul Rudd) und der anfangs etwas arg bräsig wirkende Lance ("Ich weiß nicht, was ich hier mache, hier sind keine Mädchen"), gespielt von Emile Hirsch, der schon einmal für das Kino in den Wald zog, um sich im Erfolgsfilm Into the Wild (2007) als Thoreau zitierender Jungaussteiger in Alaska durchzuschlagen.

Auch Prince Avalanche setzt auf die Sehnsucht nach Natur, fernab vom Smog der Gesellschaft. Doch trotz aller Weite wirkt der Wald hier häufig eng, wie eine minimalistische Theaterbühne, die, abgesehen von seltenen, grandios skurrilen Begegnungen auf der Landstraße, keine Gastauftritte zulässt. Und so entfalten sich aus der Isolation heraus schließlich die berüchtigt grotesken Scheindialoge, die alle Paare früher oder später aufführen, wenn man sie nur lange genug im Wald aussetzt. "Alles okay bei dir?" – "Ja, alles okay" – "Wolltest du etwas sagen?" – "Wieso sollte ich etwas sagen wollen?" – es ist eine Leistung, dass Green es schafft, den Topos "Männerfreundschaft" trotzdem nicht überzustrapazieren.

Zwar bietet sein Film am Ende wenige Widerhaken. Doch wenn Alvin und Lance Schritt für Schritt aus sich herauskommen, wenn sie beginnen, an sich, dem anderen und an ihrem Leben außerhalb des Waldes derartig zu verzweifeln, bis schließlich nichts bleibt, als sich zu betrinken und in sternhagelvoller, euphorischer Zweisamkeit mit Absperrhütchen um sich zu schleudern, anstatt die Straße weiter zu bemalen, ist man doch froh, sie dort draußen einmal besucht zu haben.