Ein Stück Himmel: der direkte Blick in die Sterne. Eigentlich lässt sich diese Szenerie nicht mit der Kamera festhalten, zumindest der alltägliche Abfotografierwahn unserer Tage stößt radikal an seine Grenzen. Stoisch blitzresistent gibt sich das Universum, am All scheitert jede noch so gute Smartphonelinse. The sky is the limit? Von wegen. Hier wird die Erfolgsformel in ihr Gegenteil verkehrt, indem sie zur Wirklichkeit wird: Was bleibt, sind verschwommene, durchweg misslungene Motive. Das Funkeln dort oben, es lässt sich einfach nicht einfangen.

Thomas Ruff hat es trotzdem versucht – und geschafft. Zwar hat der Düsseldorfer Fotokünstler (geboren 1958) das Bild nicht selbst aufgenommen – bei seinen Arbeiten bediente er sich häufig fremder Fotos und Zeitungsmaterialien. Doch auf glattem Karton scheint es trotzdem so, als habe er das Spiel am Firmament ganz allein komponiert. "Wir verlassen jetzt allmählich die Stadt", so könnte man sich eine Tonspur zum Bild vorstellen, ähnlich der raunenden Stimme, die im Planetarium die Sternbilder erklärt und dafür das Licht dimmen muss, bis der tiefschwarze Nachthimmel erreicht ist, den das urbane Zivilisationsgeblinke sonst sträflicherweise zu oft blass erscheinen lässt.

Ruffs Arbeit aus dem Jahr 1992, betitelt mit der schlichten Koordinatenangabe 13H 36M / -35°, jetzt für 600 Euro im Angebot (Venator & Hanstein, Auktion am 28. September), kennt keine solche Störung. Noch nicht einmal der Mond scheint in dieser Nacht aufgegangen zu sein, Bilder wie der Große Wagen beziehungsweise der Große Bär sind nicht auszumachen, unendlich fern scheinen Elektrizität, Gebäude, Maschinen – und damit auch die Lebewesen, die sich das alles ausgedacht haben.

Als habe er nach seinen früheren Porträtserien genug von den Menschen gehabt, hat Thomas Ruff mit diesem Bild eine Art Reset vorgenommen. Für seine Sterne, an denen er von 1989 an arbeitete, ließ er erst einmal restlos alles verschwinden. Eine komplette Verdunkelung der Welt, nur um dann die wenigen kleinen Lichter anknipsen und zum Strahlen bringen zu können. Aus dem Nichts wird wieder alles – und da steht er dann, funkelnd in seiner Ordnung, die wir nicht kennen können, nicht kennen wollen und genau deshalb ewig bestaunen: der gestirnte Himmel über uns.